„Displaying family“ und „displaying citizenship“

Familiale Aushandlungen im Brennglas der COVID-19-Pandemie in der Schweiz

Autor/innen

  • Oxana Ivanova-Chessex Pädagogische Hochschule Zürich
  • Anja Sieber Egger Pädagogische Hochschule Zürich
  • Gisela Unterweger Pädagogische Hochschule Zürich

DOI:

https://doi.org/10.26043/GISo.2026.1.5

Schlagwörter:

displaying good citizenship, displaying family, COVID-19-Pandemie, Familieninterviews, Subjektivierung, Gesundheitskrise

Abstract

Gesellschaftliche Krisen wie die COVID-19-Pandemie machen bestehende soziale Ungleichheiten sichtbar und verschärfen sie zugleich. In der Schweiz adressierten öffentliche Appelle wie „Bleiben Sie jetzt zu Hause. Retten Sie Leben“ Familienmitglieder als moralische Akteur*innen und zugleich als verantwortliche Bürger*innen, wobei gesundheitliche Verantwortlichkeiten mit normativen Vorstellungen von „guter“ Elternschaft verbunden wurden. Unser Beitrag untersucht, wie Familien diese überlagerten Anforderungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 aushandelten. Auf der Grundlage qualitativer Familieninterviews und gestützt auf die Gouvernementalitätstheorie und das soziologische Konzept des „displaying family“ werden performative Konstruktionen im Lichte hegemonialer Normen analysiert. Zwei Fallstudien – eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind mit gesundheitlichen Problemen sowie eine migrantisierte Familie mit prekärem Aufenthaltsstatus – verdeutlichen, wie Erwartungen an „gute Bürger*innen“ und „gute Familie“ sich verschränkten und sich teils widersprachen. Äusserungen der Kinder durchkreuzten mitunter elterliche Narrative und legten Spannungen zwischen kollektiver Familienpräsentation und individuellen Erfahrungen offen. Die Analyse zeigt, wie die biopolitische Steuerung familiale Praktiken unter ungleichen Bedingungen prägte.

Autor*innenbiografien

  • Oxana Ivanova-Chessex, Pädagogische Hochschule Zürich

    Oxana Ivanova-Chessex (Dr. phil.) ist Senior Researcher und Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Ihre Forschung und Lehre konzentrieren sich auf Bildung im Kontext von Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Ungleichheiten, auf das Verhältnis von Eltern und Schule sowie auf eine machtsensible und differenzreflexive Lehrer*innenbildung. Theoretisch bezieht sie sich auf Subjektivierungstheorie, postkoloniale Theorie und Intersektionalität und arbeitet mit qualitativ-rekonstruktiven Methoden, insbesondere der Biographieforschung.

  • Anja Sieber Egger, Pädagogische Hochschule Zürich

    Anja Sieber Egger ist Professorin für Bildungswissenschaften mit Schwerpunkt Bildungsanthropologie an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). Seit 2013 co-leitet sie das Forschungszentrum Kindheiten in Schule und Gesellschaft KSG. Ihre Forschung und Lehre konzentrieren sich auf die New Social Studies of Childhood, mit einem Fokus auf posthumanistische und neumaterialistische Perspektiven sowie auf Fragen von Differenz, Ungleichheit und Machtverhältnissen in pädagogischen Institutionen der frühen Kindheit. Methodisch arbeitet sie mit ethnografischen, Grounded-Theory- und biografischen Ansätzen.

  • Gisela Unterweger, Pädagogische Hochschule Zürich

    Gisela Unterweger ist Senior Researcher und Co-Leiterin des Forschungszentrums Kindheiten in Schule und Gesellschaft an der Pädagogischen Hochschule Zürich. In ihrer Forschung und Lehre beschäftigt sie sich mit Fragen der alltäglichen Schulkultur, mit einem Fokus auf Machtverhältnisse und Differenzkonstruktionen. In ihren überwiegend ethnografischen Studien zu Kindheit in Bildungsinstitutionen arbeitet sie zudem mit posthumanistischen und neomaterialistischen Perspektiven auf schulische Räume und Praktiken.

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Veröffentlicht

2026-06-08

Ausgabe

Rubrik

Freie wissenschaftliche Beiträge

Zitationsvorschlag

Ivanova-Chessex, Oxana/Sieber Egger, Anja/Unterweger, Gisela (2026): „Displaying family“ und „displaying citizenship“ : Familiale Aushandlungen im Brennglas der COVID-19-Pandemie in der Schweiz. In: Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung, 7 (1). doi:10.26043/GISo.2026.1.5.