„Displaying family“ und „displaying citizenship“
Familiale Aushandlungen im Brennglas der COVID-19-Pandemie in der Schweiz
DOI:
https://doi.org/10.26043/GISo.2026.1.5Schlagwörter:
displaying good citizenship, displaying family, COVID-19-Pandemie, Familieninterviews, Subjektivierung, GesundheitskriseAbstract
Gesellschaftliche Krisen wie die COVID-19-Pandemie machen bestehende soziale Ungleichheiten sichtbar und verschärfen sie zugleich. In der Schweiz adressierten öffentliche Appelle wie „Bleiben Sie jetzt zu Hause. Retten Sie Leben“ Familienmitglieder als moralische Akteur*innen und zugleich als verantwortliche Bürger*innen, wobei gesundheitliche Verantwortlichkeiten mit normativen Vorstellungen von „guter“ Elternschaft verbunden wurden. Unser Beitrag untersucht, wie Familien diese überlagerten Anforderungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 aushandelten. Auf der Grundlage qualitativer Familieninterviews und gestützt auf die Gouvernementalitätstheorie und das soziologische Konzept des „displaying family“ werden performative Konstruktionen im Lichte hegemonialer Normen analysiert. Zwei Fallstudien – eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind mit gesundheitlichen Problemen sowie eine migrantisierte Familie mit prekärem Aufenthaltsstatus – verdeutlichen, wie Erwartungen an „gute Bürger*innen“ und „gute Familie“ sich verschränkten und sich teils widersprachen. Äusserungen der Kinder durchkreuzten mitunter elterliche Narrative und legten Spannungen zwischen kollektiver Familienpräsentation und individuellen Erfahrungen offen. Die Analyse zeigt, wie die biopolitische Steuerung familiale Praktiken unter ungleichen Bedingungen prägte.
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