Beratung und die Nomosbildung in Nachtrennungsfamilien

Maya Halatcheva-Trapp


1. Einleitung und Problemaufriss: Familie zwischen öffentlicher und privater Regulierung

Der französische Soziologe Jacques Donzelot (1980, 20) spricht von „einer neuralgischen Funktion der Familie“ in der westlichen Moderne: Familie habe unterschiedliche, mitunter gegenläufige Versionen hervorgebracht und sei dabei trotzdem zu einem universellen Wert geworden. Die „Anziehungskraft des bürgerlichen Modells“ (ebd., 19) allein könne das Paradoxon nicht erklären, es seien vielmehr die Wechselwirkungen zwischen Familie und den Imperativen des Sozialen, die für diese Entwicklung verantwortlich sind. Unter dem Begriff des Sozialen fasst Donzelot eine Reihe von Praktiken und Politiken zusammen, die für die Ordnung im Binnenraum der Familie sorgen und im selben Zug die öffentliche Ordnung gewährleisten. Dazu zählen sozialstaatliche Maßnahmen der Intervention in und Kontrolle von Familie wie die Fürsorge und Prävention, etwa in Gestalt von der Sozialwohnung und der Klosterschule sowie dem Waisenhaus, des Weiteren die polizeiliche Überwachung, die Propagierung einer Sparmoral, ebenso wie die Verbreitung von pädagogischen und medizinischen Diskursen um Kinderpflege und der Einzug von psychoanalytischen Analyserastern in der Sozialen Arbeit und der Justiz. Mittels einer genealogischen Rekonstruktion, die im 18. Jahrhundert beginnt, zeigt Donzelot, wie Familie gleichermaßen „Königin und Gefangene“ des Sozialen (ebd., 21) wurde: einer Vielzahl an Bewertungen, moralischen Anrufungen und regulierenden Eingriffen ausgesetzt und zugleich selbst darauf zurückwirkend und den „Aufstieg des Sozialen“ (ebd., 15) befördernd.

Diese Idee einer Wechselwirkung von Familie und sozialen Interventionen greife ich am Beispiel der psychosozialen Beratung auf, um über Prozesse der Nomosbildung, der Konstruktion einer sinnhaften Ordnung in Nachtrennungsfamilien, nachzudenken. Die Trennung und Scheidung betrachte ich als biographische „Schwellen-Wendepunkte“ (Lenz 2009, 227), die neue Institutionalisierungsprozesse in Familien- und Paarbeziehungen auslösen. Den sozio-historischen Kontext der Überlegungen bildet die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts, welches seit der Kindschaftsrechtsreform 1998 als Regelfall gilt. Eltern in Trennung und Scheidung können die gemeinsame Sorge ohne Gericht fortführen, die Alleinsorge ist nur noch auf Antrag möglich. Diese Entkoppelung von Scheidungs- und Sorgesache im Sinne einer staatlichen Deregulierung geht einher mit der Stärkung von psychosozialen Unterstützungsangeboten. Die Beratung wurde vom Gesetzgeber mit der vorrangigen Zuständigkeit für Familien in Trennung und Scheidung ausgestattet und als eine kindorientierte Problemlösung etabliert. Denn im Mittelpunkt des reformierten Sorgerechts steht das Kindeswohl: Das Kind hat Recht auf Umgang mit beiden Eltern, die Eltern sind berechtigt und verpflichtet zum Umgang mit dem Kind. Dahinter verbirgt sich die „Idealvorstellung“ (Schwab 2002, 190), dass beide Eltern nach der Trennung die Verantwortung für das gemeinsame Kind übernehmen und dass das Kind den Kontakt zu beiden Eltern als Bezugspersonen aufrechterhält. Ferner setzt sich mit der Kindschaftsrechtsreform ein Fachdiskurs durch, der Scheidung als Reorganisation von Familienbeziehungen und nicht mehr als Desorganisation und als das Ende der Familie verhandelt (Barabas/Erler 2002, 192).[1] Diese Antizipation von „Fortsetzungsfamilien“ (Meulders-Klein/Thery 1998) eröffnet einen analytischen Raum für die Frage nach der Nomosbildung nach der Trennung. 

Familiäre Arrangements nach Trennung oder Scheidung zeichnen sich durch eine zeitliche, räumliche und materielle Multilokalität aus. Das „doing family“ (Jurczyk et al. 2014), also die Herstellung von Familie und familialer Zugehörigkeit, ist auf mehrere Orte verteilt, die ihre je eigenen Ordnungen sowie Arten und Weisen der Sozialisation und Vergemeinschaftung konstituieren (Schlinzig 2019, 328). Die Beratung konstituiert diese Ordnungen mit, sobald sie von den Familien in Anspruch genommen wird. Als ein Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe hat sie einen sozialisierenden Auftrag, nämlich die Eltern zu befähigen, zwischen Partner*innenproblematik und der Verantwortung für das gemeinsame Kind zu unterscheiden (Barabas/Erler 2002, 196). Deshalb fungiert die Beratung – so die These – als eine Instanz der sekundären Sozialisation, deren Subjekte Mütter und Väter in Trennung und Scheidung sind. Aus der Perspektive der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie (Berger/Luckmann 1980) beziehen sich beratende Fachkräfte und ratsuchende Eltern auf ein lebensweltliches Problem, nämlich die handlungspraktische Ausgestaltung der gemeinsamen Sorge im Sinne des Kindeswohls. Sie entwerfen in der ko-konstruktiven Arbeit am Fall ein Relevanzfeld, in dem gesellschaftliche Wissensbestände um Elternschaft (re-)produziert, bearbeitet und legitimiert werden. Mit dieser thematischen Ausrichtung nimmt der Beitrag einen Sozialisationskontext von Erwachsenen in den Blick, der auf die Verbesserung der Aufwachsbedingungen von Kindern in Nachtrennungsfamilien abzielt. Damit knüpfe ich an eine empirische Studie an, die zeigt, dass die Beratung das Elternpaar zum Hüter des Kindeswohls erhebt: Der Fortbestand und die Qualität der Beziehung im Elternpaar erweisen sich als Garanten für den Fortbestand und die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung in der Nachtrennungsfamilie (vgl. Halatcheva-Trapp 2018).

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Nach einem kurzen Überblick über den Forschungsstand (2) wird in Anlehnung an die sozialkonstruktivistische Wissenssoziologie die These von der Nomosbildung in Nachtrennungsfamilien aufgestellt (3) und die Beratung als eine Institution der Sinnvermittlung und Instanz der sekundären Sozialisation von Eltern gefasst (4). Daraufhin werden empirische Befunde einer diskursanalytischen Studie präsentiert, die zeigen, mit welchen Sinn- und Sozialisationsangeboten Eltern in der Trennungs- und Scheidungsberatung adressiert werden (5). Der Beitrag schließt mit einer Diskussion der gemeinsamen Sorge als Wissensproblem der Beratung (6).

2. Forschungsüberblick: Elternschaft als Gegenstand der Beratung

Die professionale Bearbeitung von Elternschaft in verschiedenen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe ist ein Kernthema in der erziehungswissenschaftlichen und sozialpädagogischen Forschung. Gefragt wird etwa nach elterlichen Gestaltungsspielräumen sowie nach regulativen Bedingungen der Fachpraxis (vgl. Knoll/Bischoff-Pabst 2020), nach dominanten Familienbildern in der (Sozial-)Pädagogik (vgl. Bauer/Wiezorek 2017) und danach, welche „Diskurse, Bilder und Adressierungen in der Sozialen Arbeit“ (Fegter et al. 2015) an Familie und Elternschaft herangetragen werden. In den Blick geraten dabei professionale Vorstellungen von gelingender Elternschaft, guter Kindheit und „richtiger“ Erziehung wie auch das Verhältnis zwischen Familie und Sozialinterventionen. Ferner wird für eine selbstreflexive Haltung der Fachkräfte und für einen kritischen Umgang mit professionalen Wissensbeständen sowie mit gesellschaftlich entworfenen Krisenszenarien von Familie plädiert (vgl. Lange/Alt 2009). Das Handlungsfeld der psychosozialen Beratung findet Erwähnung in einer Studie über die biographische und lebensweltliche Genese von Familienbildern im erziehungswissenschaftlichen Studium (vgl. Bauer/Weinhardt 2017). Eine Thematisierung des spezifischen Kontextes von Trennung und Scheidung bzw. von Elternschaft als Gegenstand der Trennungs- und Scheidungsberatung steht in dieser Diskussion aus. Dies betrifft auch die soziologische Beratungsforschung, die sich etwa auf Diskurse der Humangenetik und der Lebensratgeber*innen konzentriert und Beratung wie auch Psychotherapie aus einer genealogischen und gouvernementalitätstheoretischen Perspektive analysiert (vgl. Waldschmidt 1996; Duttweiler 2007; Traue 2010; Maasen et al. 2011). Die Studien, die sich explizit mit beraterisch-therapeutischen Diskursen um Familien- und Paarbeziehungen befassen, untersuchen populärwissenschaftliche und psychologische Ratgeber*innenliteratur und gehen u. a. auf die Bedeutung von Kommunikation und Konflikten für die Herstellung von Intimität sowie auf das Verhältnis von elterlicher Sorge und Geschlecht ein (vgl. Mahlmann 1991; Illouz 2009; Scholz et al. 2013). Der vorliegende Beitrag richtet einen wissenssoziologisch-diskursanalytischen Blick auf Trennung und Scheidung. Indem er gegenwärtige Wissensordnungen von Elternschaft und Familie in der psychosozialen Beratung fokussiert, schließt er eine Forschungslücke.

3. Elternpaare nach der Trennung und der Nomos der gemeinsamen Sorge

In ihrem Aufsatz „Die Ehe und die Konstruktion der Wirklichkeit“, einem Klassiker der interpretativen Familiensoziologie, entwerfen Peter L. Berger und Hansfried Kellner (1965) den Idealtypus einer Ehe, die als „nomosbildendes Instrument“ (ebd., 220) Sinn und Ordnung im Leben der Partner*innen stiftet.[2] Die Herausbildung des ehelichen Nomos beschreiben die Autoren als einen Konstruktionsprozess, an dessen Anfang die Begegnung von zwei Fremden steht: Sie sind jeweils in anderen Wirklichkeiten sozialisiert worden und tragen „relativ leere Entwürfe“ (ebd., 226) in die Beziehung hinein, die im fortwährenden Gespräch mit Erfahrung gefüllt werden. Die individuellen Wirklichkeitskonstruktionen werden dabei modifiziert und in Einklang gebracht, Zeit- und Identitätshorizonte umgedeutet und in ein paarbiographisches Kontinuum integriert (ebd., 222 ff.). Die gemeinsam errichtete Wirklichkeit des Ehepaares gewinnt kontinuierlich an Vertrautheit und wird wie eine schon immer da gewesene Normalität erlebt. Auch das nahe Umfeld des Paares ebenso wie gesellschaftliche Institutionen im Dienst einer „familialistischen Ideologie“ (ebd., 232) sind an diesem Konstruktionsprozess beteiligt. Die „zerbrechliche Struktur der neuen Wirklichkeit“ (ebd., 230) kann von außen sowie von innen gleichermaßen gestützt und irritiert werden. Die Scheidung deuten Berger und Kellner als Beleg für die Komplexität der Ehe und die Sehnsucht nach „einer völlig zufriedenstellenden Übereinstimmung“ (ebd., 234) im Paar.[3] 

Dass die Wirklichkeit des (Ehe-)Paares zerbrechen kann und danach trotzdem – als Wirklichkeit eines getrennten Elternpaares – Prozesse der Nomosbildung durchläuft und womöglich umso mehr Unterstützung von außen bedarf, ist der Gedanke, der hier im Anschluss an Berger und Kellner (1965) herausgearbeitet wird. Die Umdeutung der Paarbiographie, der familiären und personalen Identität, die eine Trennung mit sich bringt, geschieht vor einem neuen Sinn- und Zeithorizont, der nicht mehr in der Verschmelzung des Liebespaares, sondern durch das Wohl des Kindes im Hier und Jetzt und für die Zukunft definiert wird. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, aus den „relativ leeren Entwürfen“ zweier Fremder eine neue, geteilte und vertraute Ordnung zu errichten, sondern vielmehr darin, die bereits errichtete, aber für das Liebespaar brüchig gewordene Ordnung für jemand Drittes, für das Kind, zu bewahren. Damit geht eine andere Konstruktionsleistung einher: eine Art Rückwärts-Vorwärts-Bewegung, vom gemeinsamen Entwurf zurück zu zwei individuellen Entwürfen der getrennten Eltern, die jedoch zum Wohl des Kindes in der Entzweiung in Einklang zu bringen sind, um einen neuen Nomos zu entwickeln – den des getrennten Elternpaares mit gemeinsamer Sorge. Weiterhin kann mit Berger und Kellner (ebd.) angenommen werden, dass neben den ehemaligen Partner*innen und dem nahen sozialen Umfeld auch institutionelle Akteur*innen an diesem Prozess beteiligt sind und dass der Nomos einer nachehelichen Wirklichkeit fragil ist und insbesondere dann Unterstützung von außen bedarf, wenn dies den Eltern aus eigener Kraft nicht gelingt. Eine wirkmächtige institutionelle Akteurin im Kontext von Trennung und Scheidung seit der Einführung des gemeinsamen Sorgerechts ist die Kinder- und Jugendhilfe, konkret die Beratung in Fragen von Partnerschaft, Trennung und Scheidung. Deshalb stellt sich die Frage, welche Sinnangebote die Beratung produziert und wie sie Prozesse der Nomosbildung, die im wissenssoziologischen Verständnis auch Prozesse der Sozialisation sind, mitgestaltet.

4. Beratung als Institution der Sinnvermittlung und Instanz elterlicher Sozialisation

Aus Perspektive der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie stellt die Beratung eine intermediäre Institution dar (vgl. Berger/Luckmann 1995; Luckmann 1998a). Intermediäre Institutionen vermitteln „zwischen dem einzelnen und den in der Gesellschaft etablierten Erfahrungs- und Handlungsmustern“ (Berger/Luckmann 1995, 59) und antworten damit auf Sinnkrisen der pluralen Moderne. Sie geben dem Individuum Orientierung und lotsen es durch eine unübersichtlich gewordene Alltagswelt. Im selben Zug sichern sie gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten und Normativitäten ab, denn die Sinnvermittlung ist auch „eine Anweisung für die richtige Lebensführung“ (Luckmann 1998b, 27). Auch die Elternschaft wird in dieser Perspektive als krisenhaft bezeichnet, als eine der „uralten Krisen der persönlichen Existenz“ (Berger/Kellner 1984, 130). 

Wo Sinn entäußert wird, wird auch Sinn verinnerlicht, Wissensbestände werden interaktiv weitergereicht, interpretativ angeeignet oder aber abgelehnt, kurz, Sozialisationsprozesse finden statt: „Ich kann die Bedeutungen eines anderen Menschen nicht interpretieren, ohne mein eigenes Bedeutungssystem zu ändern, wenn auch nur minimal“ (ebd., 28). Dies gilt sowohl für das mikroinstitutionalisierte Setting der Paarbeziehung als auch für mesoinstitutionalisierte Settings wie Beratung. Peter L. Berger und Thomas Luckmann (1980) unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Sozialisation. Die primäre Sozialisation umfasst die Phase, „durch die der Mensch in seiner Kindheit zum Mitglied der Gesellschaft wird“ (ebd., 141), die sekundäre ist „jeder spätere Vorgang, der eine bereits sozialisierte Person in neue Ausschnitte der objektiven Welt ihrer Gesellschaft einweist“ (ebd.). In der sekundären Sozialisation geschieht die eigentliche Überlieferung der institutionalen Ordnung einer Gesellschaft mittels der Übernahme von sozialen Rollen und der Internalisierung von neuem Wissen. Die subjektive Anerkennung der Legitimität dieses Wissens ist auf „besondere pädagogische Maßnahmen“ (ebd., 153) angewiesen, denn „je subjektiv einleuchtender die Kontinuität von ursprünglichem zu neuem Wissen mittels solcher Methoden wird, desto kräftiger ist der Wirklichkeitsakzent, den sie setzen“ (ebd., 154).

Dieser wissenssoziologischen Perspektive folgend finden in der Trennungs- und Scheidungsberatung Vorgänge der sekundären Sozialisation in dem gesellschaftlichen Teilbereich Elternschaft statt. Wissensempfänger*innen und Subjekte der Sozialisation sind Mütter und Väter, die nach einer Trennung oder Scheidung die Sorge für das Kind gemeinsam tragen. Als Wissensvermittler*innen agieren die Fachkräfte der Beratung, die mittels der pädagogischen Maßnahme Beratungsgespräch spezialisiertes Wissen um Familie und Elternschaft weitergeben. Legitimiert wird dies durch den gesetzlichen Auftrag der Beratung, die „Entwicklung eines einvernehmlichen Konzepts für die Wahrnehmung der elterlichen Sorge“ zu begleiten und zu unterstützen (BMJV 2019, 20). Beratung gestaltet Sozialisationsprozesse, indem sie mit den Eltern an der „Auflösung früherer nomischer Strukturen“ (Berger/Luckmann 1980, 168) sowie an der Umstrukturierung von Relevanzen arbeitet und damit zur Veränderung der subjektiven Wirklichkeit der Eltern beiträgt.[4] Welche Sinn- und Sozialisationsangebote für die spätmoderne Familie produziert die Trennungs- und Scheidungsberatung? Wie wird die Orientierung am Kindeswohl an die Eltern als sozialisatorisches Wissen herangetragen und in welcher alltagsweltlichen Adaption geschieht dies? Diese Fragen werden im Folgenden auf Basis einer empirischen Studie über die diskursive Konstruktion von Elternschaft in der Trennungs- und Scheidungsberatung beantwortet.

5. Die diskursive Konstruktion von Elternschaft in der Trennungs- und Scheidungsberatung[5]

Diskurstheoretisch weitergedacht sind intermediäre Institutionen der Sinnproduktion und Sinnvermittlung in gesellschaftliche Diskurse eingebunden: Sie antworten auf Diskurse und bringen diese zugleich hervor. Somit kann die Trennungs- und Scheidungsberatung als ein diskursiv strukturiertes professionales Feld betrachtet werden. Gemäß fachlicher Qualifikation und institutionell-organisatorischer Zugehörigkeit zur Kinder- und Jugendhilfe nehmen Fachkräfte der Beratung an der Produktion, Verbreitung, Modifizierung und Reproduktion von Spezialdiskursen um Familie, elterliche Sorge und Kindeswohl teil.[6] Als legitime Sprecher*innen verfügen sie über die Zuständigkeit und die Ressourcen, (Be-)Deutungen von Elternschaft zu generieren, zu konventionalisieren und sinnhaft zu bearbeiten. Der Diskursbegriff, auf den hier zurückgegriffen wird, entstammt dem Theorie- und Forschungsprogramm der Wissenssoziologischen Diskursanalyse, kurz WDA (vgl. Keller 2008). Die WDA versteht Diskurse als einen „Komplex von Aussageereignissen und darin eingelassenen Praktiken, die über einen rekonstruierbaren Strukturzusammenhang miteinander verbunden sind und spezifische Wissensordnungen der Realität prozessieren“ (ebd., 235). Als kollektive, historisch hervorgebrachte und kontextspezifisch situierte Aussagepraktiken lassen sich Diskurse im Hinblick auf ihre Muster der Produktion und Reproduktion von Bedeutungen bzw. auf diskurseigene Deutungsmuster empirisch analysieren (Keller 2008, 2014). 

Mit Rückgriff auf das theoretisch-methodologische Werkzeug der WDA habe ich untersucht, wie Elternschaft im Feld der Trennungs- und Scheidungsberatung diskursiv entworfen wird (vgl. Halatcheva-Trapp 2018). Das Datenmaterial der Studie umfasst 22 Expert*innengespräche mit Fachkräften der Trennungs- und Scheidungsberatung, die in Beratungsstellen in freier Trägerschaft geführt wurden. Jedes Expert*innengespräch hat einen eigenen Fallbezug und thematisiert den Fall einer Familie in/nach Trennung oder Scheidung sowie die Arbeit der Fachkräfte, die für die Beratung der Familien zuständig waren. Alle Fallgeschichten handeln von verschiedengeschlechtlichen Elternpaaren. Die Feinanalyse der Daten erfolgte mittels der Kodierverfahren, der Kontrastierung und des Schreibens theoretischer Memos im Stil der Grounded Theory (vgl. Strauss 1998). Als Ergebnis der Analyse wurden zwei diskurseigene Deutungsmuster rekonstruiert: Partnerschaftlichkeit und Sorge. Partnerschaftlichkeit fungiert im Diskurs der Beratung als Regulativ der elterlichen Nachtrennungsbeziehung, Sorge als Regulativ der Eltern-Kind-Beziehung. Diese Deutungsmuster geben Aufschluss darüber, welche Sinn- und Sozialisationsangebote die Beratung an die Eltern vermittelt, wie bzw. mittels welcher diskursiven Strategien dies geschieht und was diese Angebote über die spätmoderne Regulierung von Familien-, Sorge- und Geschlechterbeziehungen aussagen. 

5.1 Partnerschaftlichkeit – Anleitung zur Beziehungsarbeit nach der Trennung

Das rechtliche Konstrukt der gemeinsamen Sorge beinhaltet zwei Eltern, die als Liebespaar nicht mehr existent sind. Um das Elternpaar für das Kind aufrechtzuerhalten, bringt der beraterische Diskurs die partnerschaftliche Nachtrennungsbeziehung hervor. Partnerschaftlichkeit bezeichnet ein Deutungsmuster im Diskurs der Beratung, welches Problemdefinitionen von und Handlungsanleitungen zum Gelingen der gemeinsamen Sorge nach Trennung und Scheidung bündelt. Die getrennten Mütter und Väter werden in ihrer Verbundenheit als Eltern adressiert und zur Beziehungsarbeit angeleitet. Beispiele für Beziehungsarbeit sind der versachlichte Umgang mit der Trennung, der kontinuierliche Austausch und die Einhaltung von Absprachen sowie die Teilnahme an psychosozialen Angeboten wie Beratung, Therapie oder Elternkursen. All diese Fähigkeiten und Praktiken erweisen sich im empirischen Datenmaterial als Typiken der Mütter, während den Vätern tendenziell eine geringere Bereitschaft und Fähigkeit zur partnerschaftlichen Ausgestaltung der Nachtrennungsbeziehung zugeschrieben wird. Zu den diskursiven Strategien, mittels derer diese Deutungen erzeugt werden, gehört die Verknüpfung der Kategorien Rationalität und Geschlecht sowie die Polarisierung zwischen einer weiblichen Rationalität und einer männlichen Irrationalität im Umgang mit der Trennung. Die Mutterfigur des beraterischen Diskurses ist mit Einsicht, Selbstreflexivität und Vernunft ausgestattet, während die Vaterfigur einen Kontrapunkt bildet und mit Formulierungen wie „Kränkung“, „beleidigt sein“ und „mehr auf der emotionalen Ebene“ besprochen wird. Mit der Zuschreibung von einer höheren Bereitschaft an psychosozialen Unterstützungsangeboten teilzunehmen, werden die Mütter als Verbündete der Beratung positioniert. Dies ist eine weitere diskursive Strategie, die Partnerschaftlichkeit als mütterliche Kompetenz verfestigt sowie als ein Handlungsproblem der Beratung, mit dem vor allem die Väter adressiert werden.

Im Hinblick auf die Situation der Kinder in Nachtrennungsfamilien stellt Partnerschaftlichkeit eine Anrufung dar, die sowohl eine präventive als auch eine intervenierende Funktion zur Stabilisierung der elterlichen Dyade hat. Mit diesem Deutungsmuster entwirft der beraterische Diskurs eine idealtypische Nachtrennungsbeziehung, die dem gemeinsamen Kind verpflichtet ist und in Form eines Arbeitsbündnisses gelebt wird, dessen Tragfähigkeit auf Aushandlung, Kooperation und Einvernehmlichkeit angewiesen ist. Im Kontext von Trennung und Scheidung erweist sich Partnerschaftlichkeit als das ordnungsstiftende Prinzip in Nachtrennungsfamilien. Durch dieses Prinzip kann das elterliche Paar als solches erst diskursiv konstituiert und handlungspraktisch unterstützt werden, damit die Eltern auch nach der Trennung als „dyadische Einheit“ (Hohenester 2000) für das gemeinsame Kind verfügbar bleiben.

5.2 Sorge – die Weitergabe von Geschlechterwissen

Während das Deutungsmuster Partnerschaftlichkeit die getrennten Mütter und Väter in der Figur des Elternpaares diskursiv (wieder) verbindet, werden sie im Deutungsmuster Sorge qua Geschlecht auseinandergebracht. Im Kern dieses Deutungsmusters steht eine vergeschlechtlichte Sorgetypologie, die für Mütter und Väter je andere Interpretationen von Sorge und Instruktionen für ihre Ausübung formuliert. Der beraterische Diskurs entwirft die Figur der alltagsnahen Mutter, die als Frau selbstverständlich die Hauptverantwortung für die Kinder im Alltag trägt, sowie die Figur des alltagsfernen Vaters, der als Mann selbstverständlich mehr Zeit mit Erwerbsarbeit verbringt und den Kindern ein Zu-Erzieher ist. Eine diskursive Strategie der Herstellung dieses Entwurfes ist die Verwendung von je anderem Vokabular, wenn die mütterliche und väterliche Ausübung der Elternrolle thematisiert wird. Mütter erscheinen als diejenigen, die „ganz dicht mit den Kindern leben“, „auf dem Laufenden“ sind, eine „sehr enge Beziehung“ zu ihnen haben und als „erste Ansprechpartnerin“ fungieren. Die Äußerungen über Väter zeichnen ein uneinheitliches und teilweise skeptisches Bild: Der Vater sei „wie ein Beobachter, der sich trotzdem der Situation stellt“, dann wiederum könne er mit dem Kind „schon was anfangen“, aber auch „nicht wirklich mit dem Sohn was anfangen“, er sei „bemüht, mit den Kindern umzugehen“, verhalte sich im Kontakt mit dem Kind „unbeholfen, aber motiviert“, sei „weniger Erzieher und mehr ein freundschaftlicher Kumpel“, mache „manchmal zu viel des Guten“ und habe „ein ganz inniges Verhältnis zum Kind“. Mütterliche Sorge legt der Diskurs als physische Ko-Präsenz und sozio-emotionale Nähe aus, die im Alltag allumfassend und uneingeschränkt gelebt werden. Väterliche Sorge wird hingegen einerseits infrage gestellt, andererseits auch mit Anerkennung besprochen. An die Interpretation von Vaterschaft sind Instruktionen gekoppelt, die die faktische Sorgeausübung in ausgewählten Lebensbereichen vorsehen (z. B. Freizeit), in anderen hemmen (z. B. Lebensmittelpunkt des Kindes beim Vater). Die diskursive Strategie, die diese Deutung miterzeugt, ist die argumentative Verknüpfung von väterlicher Sorge mit Beruf und Erwerbstätigkeit in Gestalt eines sich ausschließenden Verhältnisses bei gleichzeitiger Nicht-Thematisierung von mütterlicher Erwerbstätigkeit. Das Neue an diesem bekannten Konstrukt: Die Interpretation von Sorge als Zuständigkeit der Mütter entsteht in einem sozio-historischen Kontext, der nicht durch den prinzipiellen Ausschluss von Vätern, sondern gerade durch deren – rechtlich vorgesehene und beraterisch zu unterstützende – Beteiligung gekennzeichnet ist. 

6. Diskussion: Die gemeinsame Sorge in Nachtrennungsfamilien als Wissensproblem der Beratung

Die Deutungsmuster Partnerschaftlichkeit und Sorge zeigen zusammenfassend, dass der Diskurs der Trennungs- und Scheidungsberatung um die Figur des vollständigen Elternpaares mit geschlechterungleichen Sorgezuständigkeiten kreist. Mit dieser Interpretation gestaltet die Beratung den Nomos in Nachtrennungsfamilien mit. Darauf ruht auch die alltagsweltliche Adaption von Kindeswohl, welche die Beratung an die Eltern heranträgt. Obwohl das reformierte Sorgerecht die „geschlechtsneutrale“ Elternschaft adressiert (Stein-Hilbers 1999, 282), wendet sich der beraterische Diskurs an das zweigeschlechtliche Elternpaar. Das Besondere an diesem Befund ist weniger die diskursive Aktualisierung einer altbekannten Version vergeschlechtlichter Sorgebeziehungen. Das Besondere ist vielmehr, dass diese Version sich auch im Kontext von Trennung und Scheidung als wirkmächtig erweist – dort also, wo die Herstellung von Familie örtlich und oft auch personell erweitert wird, womit neue Möglichkeiten für die paritätische Ausgestaltung der Sorge entstehen können. Stattdessen verharrt der Diskurs in der kulturellen Vorstellung von einer leiblichen Kernfamilie, die vom zweigeschlechtlichen (Ehe-)Paar unter einem Dach und in Sphärentrennung regiert wird. „Modernisierung steht immer in reziproker Beziehung zu Gegenmodernisierung“, so Berger und Kellner (1984, 132 f.). Das gemeinsame Sorgerecht definiert ein neues Wissensproblem für die Beratung, welches durch den Wandel in rechtlichen und pädagogischen Familienpolitiken im Zuge der Kindschaftsrechtsreform 1998 hervorgerufen wurde. Dieses Wissensproblem verlangt nach Antworten, für die es offenbar noch kein kulturell etabliertes Modell gibt. Und weil das Kind im Mittelpunkt dieser Politiken steht, wird „das Bedürfnis nach einer verlässlichen Ordnung“ der Geschlechter (Hausen 2012, 608) artikuliert.

Die Befunde decken sich mit der neueren soziologischen Forschung über Sorge und Kindeswohl in institutionellen Kontexten. Auch in der Kinderschutzpraxis bearbeiten die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in erster Linie das Verhältnis zwischen den ehemaligen Partner*innen, um die Eltern-Kind-Beziehung aufrechtzuerhalten (Wutzler 2019, 309). Psychosoziale Unterstützungsangebote operieren zwischen „Visionen von Gleichheit, Schutz und Solidarität“ (Liebsch 2017, 202, H. i. O.) und „Divisionen, wie zum Beispiel die Akzentuierung der Unterscheidung von Vater und Mutter, Kind und Erwachsener“ (ebd., H. i. O.). Über den alltagspraktischen Umgang von Eltern mit dem Leitbild der gemeinsamen Sorge nach der Trennung wird die Aktualisierung von Geschlechterstereotypen festgestellt sowie ein Widerspruch zwischen gesetzlichen Vorgaben und getroffenen Regelungen: Die Kinder werden faktisch überwiegend von den Müttern versorgt (ebd., 199). Schließlich macht die institutionenkritische Diskussion auf das Problem einer „Fixierung des Rechts auf die Eltern und die Sozialisation in der Kernfamilie“ (Sutterlüty 2017, 82) aufmerksam, was zur Folge hat, dass die Bedeutsamkeit von außerfamilialen Beziehungen für die Autonomieentwicklung von Kindern übersehen werde.

Was sagen diese Befunde über die spätmoderne Regulierung von Familien-, Sorge- und Geschlechterbeziehungen aus? Sie zeugen von einer ambivalenten Verschränkung von Gleichberechtigung und Geschlechterungleichheit. Für die Vorstellung von einer engen Mutter-Kind-Beziehung ist eine Fülle an gesellschaftlichen Konventionen vorhanden (vgl. Badinter 1981; Schütze 1986; Vinken 2007). Die Vorstellung von der Vater-Kind-Beziehung erweist sich hingegen als voraussetzungsvoller und deutungsbedürftiger. Diese Vorstellung ist mit Fragen nach der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorge verknüpft und in das Spannungsverhältnis von Vaterschaft, Väterlichkeit und Männlichkeit (Bereswill et al. 2006; Meuser 2009; Helfferich 2017) eingebunden. Diese Ambivalenzen markieren die Grenzen des Konstrukts der gemeinsamen elterlichen Sorge und verwandeln die diskursive Anforderung an eine gleichberechtigte Elternschaft nach der Trennung in ein Paradoxon, welches auch in den Deutungsmustern Partnerschaftlichkeit und Sorge verflochten ist. Die diskurseigenen Deutungsmuster sind – dies soll abschließend festgehalten werden – theoriehaltige Konzepte, die beratungstypische Handlungs- und Deutungsprobleme der gemeinsamen Sorge beschreiben und zugleich Lösungen vorschreiben (Illouz 2009, 227). Sie bringen die Sinn- und Sozialisationsangebote zum Ausdruck, die an Mütter und Väter in Trennung und Scheidung herangetragen werden. Mit dem empirischen Zugang zu den Deutungsmustern im Diskurs konnte die Nomosgestalt rekonstruiert werden, auf die in der Beratung hingearbeitet wird, nämlich die Gestalt eines bürgerlichen Familien- und Geschlechterideals. Die „Anziehungskraft des bürgerlichen Modells“ (Donzelot 1980, 19) scheint noch virulent zu sein, wenn es um das Wohl des Kindes geht. Diese Version von Familie und Elternschaft leitet den Sozialisationsvollzug in der Beratung, wird als kultureller Wissensbestand tradiert und vor dem Hintergrund familienrechtlicher Reformen legitimiert und stabilisiert. Mit Berger und Kellner (1965) kann die beraterische Auslegung der gemeinsamen Sorge nach elterlicher Trennung als eine gegenwärtige „familialistische Ideologie“ gelesen werden, die an der Konstruktion der Nachtrennungswirklichkeit beteiligt ist.

Literatur 

Badinter, Elisabeth (1981): Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute. Frankfurt am Main et al.: Büchergilde Gutenberg.

Barabas, Friedrich K./Erler, Michael (2002): Die Familie. Lehr- und Arbeitsbuch für Familiensoziologie und Familienrecht. Weinheim/München: Juventa.

Bauer, Petra/Weinhardt, Marc (2017): Familienbilder in der psychosozialen Beratung. Familienbezogene Orientierung in frühen Phasen beraterischen Kompetenzerwerbs. In: Bauer, Petra/Wiezorek, Christine (Hrsg.): Familienbilder zwischen Kontinuität und Wandel. Analyse zur (sozial-)pädagogischen Bezugnahme auf Familie. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, 166–180.

Bauer, Petra/Wiezorek, Christine (Hrsg.) (2017): Familienbilder zwischen Kontinuität und Wandel. Analyse zur (sozial-)pädagogischen Bezugnahme auf Familie. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.

Bereswill, Mechthild/Scheiwe, Kirsten/Wolde, Anja (Hrsg.) (2006): Vaterschaft im Wandel. Multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht. Weinheim/München: Juventa.

Berger, Peter L./Kellner, Hansfried (1965): Die Ehe und die Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Abhandlung zur Mikrosoziologie des Wissens. In: Soziale Welt, 16 (3), 220–235.

Berger, Peter L./Kellner, Hansfried (1984): Für eine neue Soziologie. Ein Essay über Methode und Profession. Frankfurt am Main: Fischer.

Berger, Peter L./Luckmann, Thomas (1980 [1966]): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt am Main: Fischer.

Berger, Peter L./Luckmann, Thomas (1995): Modernität, Pluralismus und Sinnkrise. Die Orientierung des modernen Menschen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.  

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Donzelot, Jacques (1980): Die Ordnung der Familie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Duttweiler, Stephanie (2007): Sein Glück machen. Arbeit am Glück als neoliberale Regierungstechnologie. Konstanz: UVK.

Fegter, Susann/Heite, Catrin/Mierendorff, Johanna/Richter, Martina (Hrsg.) (2015): Neue Aufmerksamkeiten für Familie. Diskurse, Bilder und Adressierungen in der Sozialen Arbeit. Neue Praxis, Sonderheft 12. 

Hahn, Alois (1983): Konsensfiktionen in Kleingruppen. Dargestellt am Beispiel von jungen Ehen. In: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.): Gruppensoziologie. Perspektiven und Materialien. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 25. Opladen: Westdeutscher Verlag, 210–232.

Halatcheva-Trapp, Maya (2018): Elternschaft im Wechselspiel von Deutungsmustern und Diskurs. Ein wissenssoziologischer Blick auf die Trennungs- und Scheidungsberatung. Springer: VS.

Halatcheva-Trapp, Maya (2021a): Elternschaft und die Persistenz des Paares im Kontext von Trennung und Scheidung. In: Wutzler, Michael/Klesse, Jacqueline (Hrsg.): Paarbeziehungen heute. Kontinuität und Wandel. Weinheim: Beltz Juventa, 235–249.

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Helfferich, Cornelia (2017): Familie und Geschlecht. Eine neue Grundlegung der Familiensoziologie. Opladen/Toronto: Barbara Budrich.

Hohenester, Brigitta (2000). Dyadische Einheit. Zur sozialen Konstitution der ehelichen Beziehung. Konstanz: UVK.

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Keller, Reiner (2014): Wissenssoziologische Diskursforschung und Deutungsmusteranalyse. In: Behnke, Cornelia/Lengersdorf, Diana/Scholz, Sylka (Hrsg.): Wissen – Methode – Geschlecht: Erfassen des fraglos Gegebenen. Wiesbaden: Springer VS, 143–159. 

Knoll, Alex/Bischoff-Pabst, Stefanie (2020): Eltern im Fokus pädagogischer Institutionen: Beobachtung, Zugriff und Widerständigkeit. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 40 (4), 227–232.

Lange, Andreas/Alt, Christian (2009): Die (un-)heimliche Renaissance von Familie im 21. Jahrhindert. Familienrhetorik versus „doing family“. In: Beckmann, Christof/Otto, Hans-Uwe/Richter, Martina/Schrödter, Mark (Hrsg.): Neue Familialität als Herausforderung der Jugendhilfe. Neue Praxis, Sonderheft 9, 31–38.

Lenz, Karl (2009): Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. 4. Auflage. Wiesbaden: Springer VS.

Lenz, Karl (2014): Die Ehe und die Konstruktion der Wirklichkeit revisited. In: Braun, Norman/Müller, Julian/Nassehi, Armin/Saake, Irmhild (Hrsg.): Begriffe – Positionen – Debatten. Eine Relektüre von 65 Jahren Soziale Welt. Soziale Welt – Sonderband 21. Baden-Baden: Nomos, 51–61.

Liebsch, Katharina (2017): Gemeinsame elterliche Sorge bei hochstrittigen Sorgerechtsfällen – eine Technologie des Kindeswohls. In: Sutterlüty, Ferdinand/Flick, Sabine (Hrsg.): Der Streit ums Kindeswohl. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, 189–205.

Luckmann, Thomas (Hrsg.) (1998a): Moral im Alltag. Sinnvermittlung und moralische Kommunikation in intermediären Institutionen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.

Luckmann, Thomas (1998b): Gesellschaftliche Bedingungen geistiger Orientierung. In: Ders. (Hrsg.): Moral im Alltag. Sinnvermittlung und moralische Kommunikation in intermediären Institutionen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, 19–46.

Maasen, Sabine/Elberfeld, Jens/Eitler, Pascal/Tändler, Maik (Hrsg.) (2011): Das beratene Selbst. Zur Genealogie der Therapeutisierung in den „langen“ Siebzigern. Bielefeld: transcript.

Mahlmann, Regina (1991): Psychologisierung des „Alltagsbewusstseins“. Die Verwissenschaftlichung des Diskurses über Ehe. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Meulders-Klein, Marie-Thérèse/Théry, Irène (Hrsg.) (1998): Fortsetzungsfamilien. Neue familiale Lebensformen in pluridisziplinärer Betrachtung. Konstanz: UVK.

Meuser, Michael (2009): Vaterschaft und Männlichkeit. (Neue) Väterlichkeit in geschlechtersoziologischer Perspektive. In: Jurczyk, Karin/Lange, Andreas (Hrsg.): Vaterwerden und Vatersein heute. Neue Wege – neue Chancen! Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, 79–93. 

Schlinzig, Tino (2019): Territorialisierung familialer Gemeinschaft. Multilokale Nachtrennungsfamilien im Spannungsfeld zwischen Konvergenz und Divergenz. In: Hahn, Hans Peter/Neumann, Friedemann (Hrsg.): Das neue Zuhause. Haushalt und Alltag nach der Migration. Frankfurt am Main: Campus, 325–344.

Scholz, Sylka/Lenz, Karl/Dreßler, Sabine (Hrsg.) (2013): In Liebe verbunden. Zweierbeziehungen und Elternschaft in populären Ratgebern von den 1950ern bis heute. Bielefeld: transcript.

Schütze, Yvonne (1986): Die gute Mutter. Zur Geschichte des normativen Musters „Mutterliebe“. Hannover: B. Kleine Verlag. 

Schwab, Dieter (2002): Grundzüge und Folgen des neuen Kindschaftsrechts. In: Schneider Norbert/Matthias-Bleck, Heike (Hrsg.): Elternschaft heute. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und individuelle Gestaltungsaufgaben. Opladen: Leske + Budrich, 181–200.

Stein-Hilbers, Marlene (1999): Geschlechterbeziehungen im neuen deutschen Kindschaftsrecht. In: Dausien, Bettina/Oechsle, Mechthild/Schmerl, Christiane/Stein-Hilbers, Marlene (Hrsg.): Erkenntnisprojekt Geschlecht. Feministische Perspektiven verwandeln Wissenschaft. Opladen: Leske + Budrich, 270–288.

Strauss, Anselm L. (1998): Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung. München: W. Fink.

Sutterlüty, Ferdinand (2017): Normative Paradoxien der rechtsstaatlichen Sorge um das Kindeswohl. In: Ders./Flick, Sabine (Hrsg.): Der Streit ums Kindeswohl. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, 52–87.

Traue, Boris (2010): Das Subjekt der Beratung. Zur Soziologie einer Psycho-Technik. Bielefeld: transcript.

Vinken, Barbara (2007): Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos. Frankfurt am Main: Fischer.

Waldschmidt, Anne (1996): Das Subjekt in der Humangenetik. Expertendiskurse zu Programmatik und Konzeption der genetischen Beratung 1945–1990. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Wutzler, Michael (2019): Kindeswohl und die Ordnung der Sorge. Dimensionen, Problematisierungen, Falldynamiken. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.



[1] In Deutschland erfährt die Scheidung seit den 1970er-Jahren eine gesellschaftliche Normalisierung. Im BGB aus dem Jahr 1900 war Scheidung an das Schuldprinzip geknüpft, d. h. die Ehe konnte im Wesentlichen nur nach Verschulden aufgelöst werden, das Kind wurde dem schuldlos geschiedenen Elternteil zugesprochen. Mit dem Ehe- und Familienrechtsreformgesetz 1976 wurde ein Übergang von der patriarchalen zur partnerschaftlichen Ehe vollzogen und das bis dato geltende Schuld- durch das Zerrüttungsprinzip ersetzt. Dennoch galt Scheidung als das Ende der Kernfamilie und als familiäre Desorganisation, die sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirke. Erst mit der Kindschaftsrechtsreform 1998 wurde das Prinzip der Reorganisation rechtlich durchgesetzt (Barabas/Erler 2002, 55, 71 f.).

[2] Für einen Überblick über theoretisch-methodologische Perspektiven einer interpretativen Familiensoziologie vgl. Halatcheva-Trapp (2018, 9–12).

[3] Dass die eheliche Wirklichkeitskonstruktion weniger auf Konsens und vielmehr auf „Konsensfiktionen“ gründet, hat bereits Hahn (1983) in einer Studie über junge Ehen nachgewiesen. Für eine Diskussion von Berger und Kellners Abhandlung aus Perspektive der gegenwärtigen Familiensoziologie vgl. Lenz (2014).

[4] Welche subjektive Wirklichkeit und Identität Eltern nach Trennung und Scheidung herausbilden, ist eine empirisch zu klärende Frage, die an der Perspektive der Adressat*innen ansetzt und deshalb hier nicht beantwortet werden kann.

[5] Dieser Abschnitt basiert auf Halatcheva-Trapp (2018, 2021a, 2021b).

[6] Die Wissenssoziologische Diskursanalyse unterscheidet zwischen öffentlichen Diskursen, die massenmedial geführt und an die breite Öffentlichkeit gerichtet werden, und Spezialdiskursen, die in Teilöffentlichkeiten wie etwa der Beratung, der Wissenschaft oder dem Recht stattfinden (vgl. Keller 2008, 235).