Linke Bildungsaufsteiger*innen

Zum Zusammenspiel von politischer Sozialisation, Bildungsaspirationen und Emotionen

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.26043/GISo.2024.1.4

Schlagworte:

Bildungsaufstieg, politische Sozialisation, Biografie, Emotionen, Affekte, soziale Herkunft

Abstract

Was passiert, wenn junge Menschen nach höheren Bildungsabschlüssen als ihre Eltern streben – und dabei in Berührung mit linken Milieus, ihren Akteur*innen und Weltanschauungen kommen? Das Verhältnis von Linksaffinität und Bildungsaufstieg bildet den Ausgangspunkt des vorliegenden Beitrags, in dessen Zentrum die affektive Dimension dieses Zusammenspiels steht. Unter Rückgriff auf praxistheoretische Perspektiven werden biografisch-narrative Erzählungen Studierender aus dem linksaffinen Alltagsmilieu analysiert und es wird danach gefragt, welche Rolle Gefühle für ihre Bildungswege spielen. Zusammenfassend lassen sich zwei bedeutsame Pole eines Spektrums rekonstruieren: Emotionen als Antrieb und Emotionen als Hemmnis im Bildungsaufstieg. Die jeweilige Beschaffenheit von Emotionen ist dabei verbunden mit zwei Konstellationen in Aufstiegsbiografien: der Möglichkeit, sich ideologische Deutungsmuster anzueignen, sowie der Möglichkeit, Zugang zu ermächtigenden Kollektiven zu erhalten. Wie das Verhältnis von Bildungsaufstieg und linksaffiner politischer Sozialisation schlussendlich emotional gestimmt ist, lässt sich vor dem Hintergrund der biografischen Ausgestaltung eben jener Konstellationen verstehen.

Autor*innenbiografien

Jessica Lütgens, Universität Zürich

Jessica Lütgens ist Projektmitarbeiterin im Forschungsprojekt „Biografische Erfahrungen und politisches Engagement im Jugendalter“ am Lehrstuhl für Ausserschulische Bildung und Erziehung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Sie forscht zu politischer Sozialisation, Partizipation und Bildung, Protest und neuen sozialen Bewegungen und sozialer Ungleichheit im Kindes- und Jugendalter. Zudem interessiert sie sich für forschungsethische Fragen und arbeitet zu Methoden der qualitativen Sozialforschung, insbesondere biografischen und rekonstruktiven Ansätzen.

Flora Petrik, Universität Tübingen

Flora Petrik arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Allgemeine Pädagogik des Instituts für Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen. Ihre Forschung lässt sich an der Schnittstelle biografietheoretischer und bildungssoziologischer Fragestellungen verorten. Zu ihren weiteren Schwerpunktenzählen soziale Ungleichheit in Schule und Universität, interpretative Sozialforschung sowie wissenschaftstheoretische und methodologische Fragestellungen. Ihr aktueller Fokus liegt insbesondere auf Fragen sozialer Klasse in Bildungskontexten und der Weiterentwicklung Pierre Bourdieus Praxistheorie.

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Veröffentlicht

2024-05-27

Zitationsvorschlag

Lütgens, Jessica/Petrik, Flora (2024): Linke Bildungsaufsteiger*innen: Zum Zusammenspiel von politischer Sozialisation, Bildungsaspirationen und Emotionen. In: Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung, 5 (1). doi:10.26043/GISo.2024.1.4.