Jenseits der Gefängnismauern
Ein ökosystemisches Review zu Familienrisiken nach Inhaftierung
DOI:
https://doi.org/10.26043/GISo.2025.1.4Schlagwörter:
Inhaftierung, Familienstrukturen, Gesundheitliche und sozioökonomische Benachteiligungen, Kindesentwicklung, Multikausales Wirkungsgeflecht, Bildungsungleichheit, Moderatorvariablen, LiteraturreviewAbstract
In der deutschsprachigen Forschung wurde bisher wenig Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen der Inhaftierung von Strafgefangenen auf ihre nahen Angehörigen gerichtet. Dieser Beitrag untersucht anhand eines systematischen Literaturreviews mögliche Wirkzusammenhänge. Dafür wurden die Ergebnisse von 40 internationalen und nationalen Studien analysiert und in einem tentativen Rahmenmodell auf vier Wirkungsebenen zusammengefasst: Individuum, Mikro-, Meso- sowie Makro-/Exosystem. Die Ergebnisse, die überwiegend auf Daten aus den USA basieren, deuten auf ein komplexes Zusammenspiel von gesundheitlichen, sozioökonomischen und sozialen Nachteilen für die betroffenen Familien hin. Auch zeigen sich transgenerationale Phänomene. Besonders hervorzuheben sind Bildungsabschlüsse als eine mögliche Puffer- oder Schutzvariable, die negative Auswirkungen abmildern können. Die Analyse diskutiert die Einschränkung der transnationalen Übertragbarkeit der Ergebnisse und die Ursachen-Wirkungs-Beziehungen zwischen Inhaftierung und negativen Folgen für Angehörige. Dabei stellt sich aus sozialisationstheoretischer Sicht die Frage, inwieweit die Inhaftierung selbst oder andere kumulative Risikofaktoren für diese negativen Effekte verantwortlich sind. Insgesamt zeigen sich komplexe Wechselwirkungen.
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