JENSEITS DER GEFÄNGNISMAUERN: EIN ÖKOSYSTEMISCHES REVIEW ZU FAMILIENRISIKEN NACH INHAFTIERUNG

Karsten Krauskopf und Fine-Marie Schaffrath

In der deutschsprachigen Forschung wurde bisher wenig Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen der Inhaftierung von Strafgefangenen auf ihre nahen Angehörigen gerichtet. Dieser Beitrag untersucht anhand eines systematischen Literaturreviews mögliche Wirkzusammenhänge. Dafür wurden die Ergebnisse von 40 internationalen und nationalen Studien analysiert und in einem tentativen Rahmenmodell auf vier Wirkungsebenen zusammengefasst: Individuum, Mikro-, Meso- sowie Makro-/Exosystem. Die Ergebnisse, die überwiegend auf Daten aus den USA basieren, deuten auf ein komplexes Zusammenspiel von gesundheitlichen, sozioökonomischen und sozialen Nachteilen für die betroffenen Familien hin. Auch zeigen sich transgenerationale Phänomene. Besonders hervorzuheben sind Bildungsabschlüsse als eine mögliche Puffer- oder Schutzvariable, die negative Auswirkungen abmildern können. Die Analyse diskutiert die Einschränkung der transnationalen Übertragbarkeit der Ergebnisse und die Ursachen-Wirkungs-Beziehungen zwischen Inhaftierung und negativen Folgen für Angehörige. Dabei stellt sich aus sozialisationstheoretischer Sicht die Frage, inwieweit die Inhaftierung selbst oder andere kumulative Risikofaktoren für diese negativen Effekte verantwortlich sind. Insgesamt zeigen sich komplexe Wechselwirkungen.

1. Einleitung

Freiheitsstrafen in Deutschland verfolgen laut Grundsatz das Ziel, neue Ressourcen für ein künftig straffreies Leben zu schaffen (§2 StVollzG). Mittelbar sind jedoch weitere Personen wie die reproduktive Familie der Inhaftierten betroffen (Sandmann/Knapp, 2018). Die Relevanz der Thematik wird deutlich, wenn man die Anzahl der Betroffenen recherchiert. In Deutschland liegen nur Schätzungen vor. Für das Jahr 2013 ging man von ca. 100.000 Kindern aus, die von einer elterlichen Inhaftierung betroffen waren (Bieganski et al. 2013). Anders gestaltet sich der Forschungsstand in den USA, der nach stetig steigenden Inhaftierungsraten von den 1980er- bis zu den 2000er-Jahren auf eine breitere Datenbasis zurückgreifen kann (Johnson/Easterling 2012). Glaze und Maruschak (2008), die im Auftrag des US Department of Justice in sechs Wellen von 1991 bis 2007 Daten zu inhaftierten Eltern erhoben, stellten in dieser Zeit einen Zuwachs von 79 % fest. Diesem Bericht zufolge waren im Jahr 2007 in den USA 686.000 Eltern und 1.427.500 Kinder von Inhaftierung betroffen. Der vorliegende Beitrag sichtet die empirische Befundlage zu möglichen Auswirkungen einer Inhaftierung für nahe Angehörige und stellt diese strukturiert nach unterschiedlichen Wirkungsebenen dar: Individuelle Ebene der mentalen und physischen Gesundheit, Mikrosystem familialer Beziehungen, Mesosystem des Sozialraums und sozioökonomischer Teilhabe und Exo-/Makrosystem kumulativer Risiken sowie Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse. Das zugrunde liegende systematische Literaturreview basiert aufgrund der skizzierten Studienlage vor allem auf Studien von US-amerikanischen Forscher*innen.

Dabei soll aus sozialisationstheoretischer Perspektive die juristische Strafe – hier die Inhaftierung eines Elternteils – nicht nur als singuläres Ereignis oder klar begrenzter biografischer Bruch betrachtet werden. Wir verstehen sie als Marker in einem komplexen sozialen Prozess, in dem institutionelle Eingriffe, familiale Neuordnungen und gesellschaftliche Zuschreibungen ineinandergreifen. Die hier betrachtete Strafe ist somit immer Ursache und Wirkung und entfaltet ihre soziale und symbolische Wirkung im Alltag der Familienmitglieder – etwa durch die Destabilisierung von Elternrollen, die Stigmatisierung naher Angehöriger oder den Verlust vertrauter Routinen. Diese erweiterte Perspektive ermöglicht es, elterliche Inhaftierung nicht nur als Risiko, sondern als Kristallisationspunkt dynamischer Belastungsprozesse und sozialer Vererbungsmechanismen zu analysieren – ein Aspekt, der auch im Kontext empirischer Forschung zur Selbstverortungen inhaftierter Väter bedeutsam exemplarisch gezeigt werden kann (z. B. Muth/Walker 2013; Bartlett/Eriksson 2019; Krauskopf & Lorenz-Sinai, in Begutachtung).

1.1 Risikoprofile von Inhaftierung betroffener Familien – empirische Ausgangslage

Stellt man sich die Frage, welche Risiko- und Schutzfaktoren für die reproduktiven Familien von Inhaftierten empirisch belegt sind, fällt auf, dass diese vielschichtig und miteinander verzahnt sind. Auf Individuen bezogene Auswirkungen betreffen dabei sowohl die Inhaftierten selbst als auch ihre Kinder und die betreuenden Angehörigen. Für Kinder zeigen sich insbesondere gesundheitliche Belastungen, etwa erhöhte Raten an Angststörungen, Depressionen, Schlafproblemen und psychosomatischen Beschwerden, wie sie beispielsweise in Studien von Poehlmann (2005a) oder Murray et al. (2012) beschrieben werden.

Auf der Ebene des familiären Umfelds zeigen Johnson und Waldfogel (2002) anhand von Daten von rund 9000 Familien (Erhebungsjahr 1997), dass Inhaftierung mit Armut nach der Inhaftierung, Destabilisierung der Wohnverhältnisse, einer höheren Wahrscheinlichkeit der Fremdunterbringung der Kinder, psychischen Problemen der verbleibenden Caregiver und einem insgesamt geringeren Bildungsniveau einhergeht. Bedeutsam ist, dass innerhalb dieses Mikrosystems die Caregiver als belastete Bindungspersonen einen weiteren Risikofaktor für die kindliche Entwicklung darstellen, der nicht additiv wirkt, sondern das Zusammenwirken der negativen Outcomes moderiert. So ist es exemplarisch bedeutsam zu berücksichtigen, dass inhaftierte Mütter auffällig viele sozioökonomische Risikofaktoren aufweisen, oftmals psychisch vorbelastet sind und selbst häufig mehrere inhaftierte Angehörige aufweisen (Dallaire 2007a). Das Phänomen „inhaftierte Mutter“ ist dann sowohl als ein Indikator für bereits bestehende kumulierte Risiken, welche die Wahrscheinlichkeit einer Inhaftierung erhöht haben, als auch als Risikofaktor für die verbleibenden Kinder zu untersuchen.

Es wird deutlich, dass parallel auftretende Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit eines sicheren und stimulierenden unmittelbaren familiären Umfelds für die Kinder deutlich verringern und zusätzlich sozioökonomische Risiken, wie Armut oder häufige Wohnortwechsel, im erweiterten Umfeld der Familie hinzukommen und die kindliche Lebenswelt weiter destabilisieren. Bereits diese ersten Einblicke in die Literatur legen nahe, dass es einer Systematisierung bedarf, die erlaubt, Befunde zu einzelnen Faktoren zu würdigen und gleichzeitig zu verdeutlichen, dass individuelle Auswirkungen der Inhaftierung durch weitere Risikofaktoren kontextualisiert werden. Die beschriebenen Aspekte möglicher Auswirkungen sind zudem als Indikatoren für Prozesse kollektiver sozialer Benachteiligung (Poehlmann 2005a) und sozialer Immobilität der Kinder identifiziert worden. Phillips et al. (2006) zeigen, dass die strafrechtliche Verwicklung von Eltern – unabhängig von weiteren elterlichen Risikofaktoren – damit einhergeht, dass ihre Kinder stärker von wirtschaftlichen Belastungen und familiärer Instabilität betroffen sind, wodurch deren soziale Aufstiegschancen nachhaltig eingeschränkt werden. Darüber hinaus verweisen Befunde aus der US-amerikanischen Forschung auf Aspekte struktureller Benachteiligung durch Stigmatisierung von People of Color (PoC). Kinder mit mindestens einem PoC-Elternteil waren im Jahr 2008 zehn Mal so häufig von parentaler Inhaftierung betroffen wie weiße Kinder (Glaze/Maruschak 2008; auch Dennison et al. 2012).

1.2 Wirkungsebenen von Inhaftierung auf Familien – ein tentatives Rahmenmodell

Insgesamt zeigt sich, dass Inhaftierung nicht als isoliertes Ereignis, sondern als komplex verwobener Risikofaktor in Erscheinung tritt, dessen Auswirkungen nur dann angemessen verstanden werden können, wenn sie systematisch entlang verschiedener sozialökologischer Ebenen – vom Individuum bis zur Gesellschaft – verortet werden; dies wird durch das im Folgenden dargestellte ökosystemische Modell versucht. In Anlehnung an die Theorie der Ökologie des Menschen nach Bronfenbrenner (Grundmann/Kunze 2008) schlagen wir daher ein tentatives Rahmenmodell zur Strukturierung der empirischen Forschungsbefunde vor. Bronfenbrenner (1979) unterteilt originär in folgende Ebenen: die mikro-, die meso-, die exo- und makrostrukturelle. Dadurch lassen sich personenbezogene Ressourcen (z. B. Bildung, Coping-Stile) und Belastungen (z. B. psychische Gesundheit) differenziert erfassen und systematisch den jeweiligen Ebenen des ökosystemischen Modells zuordnen, wodurch auch ihre Wechselwirkungen mit sozialen und strukturellen Kontexten präziser analysiert werden können. An die individuelle Ebene anschließend beschreibt die Mikroebene soziale Nahraumbeziehungen (Grundmann/Kunze 2008). Im Ergebnisteil werden hierunter Auswirkungen auf die Beziehungen und Bindungen innerhalb der Familie der inhaftierten Person gefasst, z. B. der Verlust familiärer Routinen. Auch die Wechselwirkungen innerhalb des Mikrosystems werden hier dargestellt, wie die Verstärkung negativer Konsequenzen für Kinder durch die psychische Belastung der verbleibenden Caregiver. Als dritte Wirkungsebene wird das Mesosystem betrachtet, das nach Bronfenbrenner die Interaktionen zwischen einzelnen Mikrosystemen wie beispielsweise Familie, Bildungseinrichtung oder Arbeitsplatz beschreibt, wie z. B. mangelnde Unterstützung durch soziale Hilfesysteme (Jugendhilfe). Die vierte Wirkungsebene fasst in dieser Arbeit Exo- und Makrosystem zusammen. Diese Systeme liegen außerhalb der direkten Wirkkraft des Individuums, üben aber dennoch nachhaltige Einflüsse aus. Exosysteme betreffen strukturelle Rahmenbedingungen, die das Individuum nicht aktiv beeinflussen (z. B. Justizpolitik oder Haftbesuchsregelungen), während Makrosysteme gesellschaftliche Werte und kulturelle Deutungsmuster wie Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse umfassen, die Familien von Inhaftierten spezifisch betreffen.

Die Formulierung eines ökosystemischen Rahmenmodells erlaubt zudem, Inhaftierung nicht als singuläres Ereignis, sondern als sich fortschreibenden Prozess zu beschreiben, der bereits bestehende Armuts-, Diskriminierungs- oder Gesundheitsrisiken bündelt und verschärft. Wenngleich die Zuordnung zu den Wirkungsebenen des Rahmenmodells nicht immer eineindeutig gelingt, lassen sich durch dieses tentative Rahmenmodell jedoch die Perspektiven auf Inhaftierung als Teil eines komplexen sozialen Prozesses für die reproduktive Familie der Inhaftierten fokussieren und sowohl weiterführende Diskussionen als auch empirische Forschung in diese Richtung anstoßen. Das Modell bietet einen strukturierten Rahmen, um empirisch belegte Einzelfaktoren (wie familiäre Instabilität oder Schulabbrüche) nicht isoliert zu beschreiben, sondern in ihren wechselseitigen Verflechtungen zu analysieren. Linear-kausale Risikomodelle, die Risiko als additive Anhäufung belastender Faktoren modellieren, werden aktuell kritisch diskutiert (LaNoue et al. 2020) und auch individualpsychologische Ansätze, die dispositionale Merkmale fokussieren, bemühen sich verstärkt um die Schätzung eines prozesshaften Zusammenspiels. Um der Frage nachzugehen, wie Inhaftierung als Risikofaktor im familiären Kontext wirksam wird, folgt der vorliegende Beitrag allerdings dem Ansatz, Resilienz und Risiko als sozial-ökologisch eingebettete Prozesse zu begreifen. Mit Bezug zu Bronfenbrenners (1979) ökologischem Systemmodell formulieren aktuellere Ansätze (Ungar et al. 2013) einen Paradigmenwechsel in der Resilienzforschung hin zu systemisch vernetzten Betrachtungsweisen, in denen Umwelt-, kulturelle und interpersonelle Faktoren wechselseitig wirken. Demnach folgt unser Ansatz einem systemisch-dynamischen Risikoverständnis, das Inhaftierung nicht als singulären Ereignisfaktor, sondern als prozesshaft eingebetteten Risikoverstärker entlang ökologischer Ebenen zu analysieren versucht.

2. Methodik

Für die systematische Literaturrecherche erfolgte die Auswahl empirischer Studien nach einer ersten Orientierung anhand Google Scholar auf Basis einer strukturierten Recherche in den Fachdatenbanken PsycINFO, PSYNDEX und FIS Bildung im Zeitraum von 1990 bis 2024. Verwendet wurden kombinierte Suchbegriffe zu Inhaftierung, familiären Bezugspersonen sowie psychosozialen und bildungsbezogenen Auswirkungen.[1] Die Recherche erbrachte insgesamt 935 Treffer. Nach Dublettenbereinigung und Titel-Abstract-Screening wurden 160 Beiträge für eine Volltextprüfung ausgewählt. Eingeschlossen wurde Literatur in englischer und deutscher Sprache. Es wurden sowohl Studien berücksichtigt, die die gesamte Familie von inhaftierten Personen beleuchten, als auch solche, die einzelne Individuen oder Beziehungen untersuchen.[2] Die gefundenen empirischen Studien wurden nach den Kategorien „Herkunftsland der Daten“, „Aktualität“ und „allgemeine Gütekriterien der Forschungsmethodik“ gesichtet. Es wurden Studien aus Australien, dem Vereinigten Königreich und (Nord-)Europa, jedoch vor allem aus den USA berücksichtigt. Auf Grundlage thematischer Relevanz und methodischer Transparenz wurden schließlich 40 Studien in die Analyse aufgenommen. Diese bilden die empirische Basis für die systematische Darstellung im Rahmenmodell.

Die Daten der Veröffentlichungen wurden im Allgemeinen nicht vor den 1990er-Jahren erhoben. Ausnahmen bilden hierbei breit angelegte Längsschnittstudien, wie der Bericht von Farrington et al. (2009) zur intergenerationalen „Vererbung“ von delinquentem Verhalten, die aufgrund des besonderen Studiendesigns berücksichtigt wurden. Forschungsberichte wurden eingeschlossen, falls die empirische Vorgehensweise und die Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse transparent dargestellt wurden. Quantitative Studien wurden auf Angaben zur Validität, Reliabilität und Objektivität hin überprüft. Vor diesem Hintergrund wurden qualitative Forschungsberichte, Dissertationen, Zeitschriftenartikel, Literaturreviews, graue Literatur und auch einzelne Meta-Analysen miteinbezogen. Im Anschluss an die Literaturrecherche wurden die Ergebnisse der einzelnen Quellen mittels tabellarischer Auflistung zusammengefasst (siehe Tab.1) im Anhang) und anhand des Rahmenmodells strukturiert. Unter den 40 analysierten Studien finden sich 14 Längsschnittstudien und sieben qualitative Arbeiten; die übrigen Untersuchungen beruhen überwiegend auf quantitativen Querschnittsdesigns mit z. T. gemischt-methodischen Ansätzen. Besonders häufig wurden in unterschiedlichen Publikationen die gleichen, groß angelegten Längsschnittstudien reanalysiert, hier vor allem die Studien „Add Health“ (vier Studien; Carolina Population Center 2025) und die „Fragile Families and Child Wellbeing Study“ (FFCWS, fünf Studien; Princeton University 2025). Die FFCWS ist eine großangelegte Befragung, angesiedelt an der Princeton University, die in mehreren Wellen Familienangehörige von 5000 Kindern befragt, die zwischen 1998 und 2000 geboren sind. Add Health ist eine Längsschnittstudie mit einer US-national repräsentativen Stichprobe von über 20.000 Jugendlichen, die im Schuljahr 1994–95 die Klassen 7–12 besuchten. Diese Gruppe wurde bisher in fünf Erhebungswellen verfolgt, zuletzt in den Jahren 2016–18.

3. Ergebnisse

3.1 Auswirkungen auf individueller Ebene

3.1.1 Mentale und physische Gesundheit

In Betrachtung der Studienlage zur Gesundheit von Partner*innen von Inhaftierten lässt sich konstatieren, dass dabei oftmals die mentale Gesundheit im Fokus steht. Dennoch kann auch ein Einfluss auf die physische Gesundheit ausgemacht werden. So treten Depressionen bei Müttern, deren Kinder von paternaler Inhaftierung betroffen sind, besonders im Zeitraum kurz nach der Inhaftierung vermehrt auf (Wildeman et al. 2012). Gleichzeitig zeichnen sich Zusammenhänge zwischen depressiver Symptomatik und einem sich verschlechternden körperlichen Gesundheitszustand ab (Tadros et al. 2022). Diese Zusammenhänge führen die Autor*innen auf Stress im Rahmen der Caregiving-Rolle, der gesteigerten Arbeitsbelastung im familiären Haushalt und der finanziellen Absicherung der Familie zurück. So fühlen sich insbesondere erwerbstätige alleinerziehende Angehörige von inhaftierten Personen unzufrieden und gestresst und geben an, sich selbst zu vernachlässigen (Arditti et al. 2003). Eltern, bei denen trotz Inhaftierung eines Elternteils ein hohes Maß an Konsens in Bezug auf Erziehungsfragen herrscht, berichten von besserer physischer Gesundheit (Tadros et al. 2022).

Kinder Inhaftierter zeigen ein erhöhtes Risiko für Asthma und Adipositas und im Erwachsenenalter für erhöhtes Cholesterin, eine HIV-Erkrankung und Migräne (Turney/Goodsell 2018). Auch Miller und Barnes (2015) stellen eine signifikante Korrelation zwischen väterlicher Inhaftierung im Kindesalter und einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand im Erwachsenenalter fest, was erhöhte Risiken für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Panikattacken einschließt. Einschränkend bedacht werden muss jedoch die zeitgleiche Korrelation mit weiteren Risikofaktoren wie beispielsweise dem Aufwachsen in Armut (Miller/Barnes 2015). Jackson et al. (2021) zeigen, dass unterschiedliche Risikofaktoren wie elterliche Scheidung, physischer Missbrauch und extreme Armut im Zusammenhang stehen mit einem schlechteren Gesundheitszustand von Kindern. So ist der Gesundheitszustand von Kindern Inhaftierter im Vergleich zur unbelasteten Kontrollgruppe erheblich schlechter, jedoch nicht statisch signifikant unterschiedlich zu Kindern, die mindesten zwei anderen Risikofaktoren ausgesetzt sind.

3.1.2 Externalisierende und internalisierende Verhaltensmuster bei Kindern Inhaftierter

Auswirkungen elterlicher Inhaftierung auf das Verhalten ihrer Kinder werden z. T. basierend auf Interviews mit Lehrkräften (z. B. Shlafer/Poehlmann 2010) aber auch auf Einschätzungen durch Caregiver anhand standardisierter Maße wie der Child-Behavior-Checklist (CBCL/6-18R) erfasst. Letztere unterscheidet dabei zwischen internalisierenden und externalisierenden Auffälligkeiten (Antle et al. 2019). Neben Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter wird zudem das spätere Verhalten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter betrachtet, insbesondere Delinquenz (z. B. Farrington et al. 2009).

Generell ist zu vermerken, dass hier externalisierende Verhaltensstörungen im Vergleich zu Kindern ohne inhaftiertes Elternteil deutlich erhöht sind und vor allem aggressiveres Verhalten umfassen (Geller et al. 2012; Antle et al. 2019). Dieser Effekt wird jedoch bisher nur für die Inhaftierung von Vätern und für Jungen untersucht und lässt sich vor allem kurz nach der väterlichen Inhaftierung beobachten (Wildeman 2010). Bei Mädchen ist kein signifikant gesteigertes aggressives Verhalten in direktem Zusammenhang mit der Inhaftierung eines Elternteils festzustellen. Ein anderer Zusammenhang zeigt sich für Jungen, deren Väter vor der Inhaftierung mit im Haushalt lebten und gewalttätig waren. Diese zeigen vielmehr ein geringeres Aggressionspotenzial (Wildeman 2010).

Im Spektrum externalisierender Auffälligkeiten wurden auch häufiger Aufmerksamkeitsprobleme und Hyperaktivität bei minderjährigen Kindern von Inhaftierten beobachtet (Phillips et al. 2002). Erneut sind insbesondere Söhne von kürzlich inhaftierten Vätern betroffen (Geller et al. 2012). Darüber hinaus konnten Moderatorvariablen identifiziert werden. Antle et al. (2019) zeigen, dass der Effekt elterlicher Inhaftierung durch depressive Symptomatik und Stress der Kindesmutter zu stärkeren negativen Zusammenhängen führt, das Mitwirken des Vaters bei der Kindererziehung diese hingegen abschwächt. Desgleichen kann eine große Anzahl an unterstützenden Personen im nahen Umfeld des Kindes externalisierende Verhaltensweisen abschwächen (Bocknek et al. 2009).

In Bezug auf internalisierende Verhaltensstörungen ist der Forschungsstand weniger eindeutig. Antle et al. (2019) können keinen signifikanten Zusammenhang zwischen elterlicher Inhaftierung und internalisierenden Verhaltensstörungen in einer Stichprobe mit Neunjährigen feststellen. Allerdings wird ein indirekter Zusammenhang, vermittelt über depressive Symptomatik und Erziehungsstress der Kindesmutter, angenommen (Wildeman et al. 2012). In einer Langzeitstudie konnten Wilbur et al. (2007) hingegen auch einen direkten Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen der Kinder und väterlicher Inhaftierung feststellen, was auch eine qualitative Studie von Bocknek et al. (2008) nahelegt. In Interviews mit Kindern Inhaftierter und ihren Caregivern werden in den meisten Fällen internalisierende Verhaltensauffälligkeiten mit direkten Bezügen zur elterlichen Inhaftierung beschrieben, die jedoch durch eine therapeutische Betreuung im Schulkontext positiv beeinflusst werden konnten. Ergänzend findet Turney (2017) auf Basis der Add-Health-Daten einen Zusammenhang zwischen elterlicher Inhaftierung und dem Bericht betroffener Kinder, sich früher erwachsen zu fühlen. Dieses Empfinden steht wiederum im Zusammenhang mit spezifischen Verhaltensindikatoren im Alter zwischen 18 und 23 Jahren und zwar mehr Fehlzeiten in Bildungseinrichtungen, häufigem Alleinleben, früherer Heirat und früherer eigener Elternschaft. Die Autorin diskutiert ihre Befunde unter der Annahme einer Vermittlung durch erhöhten Stress im Kindesalter aufgrund der Inhaftierung.

3.1.3 Delinquenz betroffener Kinder im Jugend- und Erwachsenenalter

Murray et al. (2012) können in ihrer Metaanalyse von über 40 Studien eine signifikante Assoziation zwischen elterlicher Haft in der Kindheit und späterer eigener Delinquenz im Erwachsenenalter nachweisen. Auch Farrington et al. (2009) diskutieren diesen Zusammenhang anhand von Daten, die innerhalb von britischen Familien über drei Generationen hinweg erhoben wurden (1961–2007), im Sinne der „Vererbung“ eines Risikos für Verurteilung und Inhaftierung. Diese Transmission zeigt sich jedoch durch mehrere Kriterien beeinflusst. So kann die Weitergabe von kriminellem Verhalten von Männern der ersten Generation an deren Söhne, nicht aber von der zweiten an die dritte Generation gezeigt werden. Zudem erscheint die Korrelation zwischen elterlicher Kriminalität und delinquentem Verhalten der Kinder stark von sozioökonomischen Faktoren beeinflusst.

Vergleicht man die Effekte von väterlicher und mütterlicher Inhaftierung auf Heranwachsende, stellt Dallaire (2007b) fest, dass eine mütterliche Inhaftierung im Kindesalter sich negativer auf die Kriminalprognose der Kinder im Jugendalter auswirkt, wobei dieser Effekt durch eine Suchterkrankung der Mutter verstärkt wird (Dallaire 2007a). Allerdings ist die haftbedingte Absenz der Kindesmutter häufiger als bei Vätern mit Fremdunterbringung konfundiert. Somit ist zu bedenken, dass die geschlechtsspezifischen Auswirkungen elterlicher Inhaftierung in der Instabilität des Sozialraums und des familiären Umfelds begründet liegen können. Weitere verstärkende Faktoren für das transgenerationale Risiko krimineller Verhaltensweisen sind nach Dallaire (2007a) mindestens ein PoC-Elternteil, eine große Gesamtzahl von Kindern und eine Inhaftierung weiterer Caregiver. Auch Erwachsene, die bereits vor ihrem siebten Lebensjahr elterliche Inhaftierung erleben, verüben im Vergleich mit Erwachsenen, die erst später betroffen waren, signifikant mehr Delikte (Van de Rakt et al. 2012; Young et al. 2020).

3.2 Mikroebene innerfamiliärer Beziehungen

3.2.1 Auswirkungen auf die Familienstruktur

Bocknek et al. (2008) charakterisieren die Inhaftierung eines Elternteiles als „ambiguous loss“. Dies beschreibt die entstehenden Unsicherheiten und den Wandel der Beziehungen der Familienmitglieder untereinander. So erhöht eine Inhaftierung die Wahrscheinlichkeit einer Trennung der Eltern erheblich (Turney/Goodsell 2018). Dies bedeutet auch, dass Kinder, die von elterlicher Inhaftierung betroffen sind, sich auf neue Caregiver einstellen müssen, insbesondere bei Inhaftierung der Mutter. Für die USA ergab sich, dass im Vergleich zur Inhaftierung des Vaters, bei der fast 90 % der Kinder beim anderen Elternteil verbleiben, dies bei mütterlicher Inhaftierung in 40 % der Fall ist. Kinder werden dann eher von den Großeltern versorgt oder fremduntergebracht. Auch wenn es Indizien dafür gibt, dass viele Kinder, die während der Inhaftierung der Mutter in stationären Einrichtungen (in Deutschlang im Rahmen der Hilfe zur Erziehung nach SGB VIII) leben, bereits vor der Inhaftierung der Mutter fremduntergebracht waren, kann man annehmen, dass dies durch die maternale Inhaftierung im Durchschnitt dennoch einen drastischen Wechsel in der Betreuungssituation bedingt (Hissel et al. 2011). Poehlmann (2005b) findet in diesem Zusammenhang gehäuft Schlafprobleme und Enuresis sowie Veränderungen im Bindungsverhalten der betroffenen Kinder. Besonders ausgeprägt sind diese Effekte bei instabilen Betreuungssituationen und häufigem Wechsel der Caregiver (Feige 2019).

Jedoch lassen sich auch bei Verbleib der Kinder beim anderen Elternteil Veränderungen der Beziehungskonstellationen konstatieren. Murray (2007) beschreibt dies als Reduktion des sozialen Kapitals der betroffenen Kinder, da verbleibende Erziehungsberechtigte Ausgleich für den Einkommensverlust schaffen müssen, was zu mehr Stresserleben und weniger gemeinsamer Zeit führt. Ähnliches zeigen Arditti et al. (2003): 30.2 % der befragten Caregiver (N = 56) gaben in der Studie an, nach Inhaftierung des*der Partner*in weniger Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, und gleichzeitig berichteten 40 %, dass die subjektiv erlebte Beziehungsqualität durch die Inhaftierung beeinträchtigt worden sei.

3.2.2 Beziehung zur inhaftierten Person

Die emotionalen Reaktionen von Kindern auf die Trennung vom inhaftierten Elternteil sind sehr unterschiedlich: Sie reichen von traurig über verwirrt und wütend bis indifferent, umfassen aber auch positive Gefühle (Poehlmann 2005b; Poehlmann et al. 2010; Shlafer/Poehlmann 2010). Es ist hierbei davon auszugehen, dass die bereits bestehende Bindungsqualität eine Rolle bei der emotionalen Verarbeitung der Inhaftierung spielt. So findet Poehlmann (2005b) bei 63 % der untersuchten Kinder (N = 60) eine unsichere Bindung zur kürzlich inhaftierten Mutter. Komplementär hierzu findet sich aber auch die Tendenz, das inhaftierte Elternteil zu idealisieren und akute Problemlagen ausschließlich mit dem nichtinhaftierten Elternteil auszuhandeln (s. auch Bieganski et al. 2013).

Die Beziehung zum inhaftierten Familienmitglied wird meist anhand der Kontakthäufigkeit untersucht (Hahn 2012). Hier zeigt sich, dass Kinder, die während der Inhaftierung weiter Kontakt hatten, von weniger Entfremdungsgefühlen und Ärger gegenüber den Inhaftierten berichten (Shlafer/Poehlmann 2010). Gleiches scheint für inhaftierte Eltern bzw. Väter zu gelten (La Vigne et al. 2005). Trotz des Bedürfnisses von Kindern nach Besuchen in der Haftanstalt finden diese eher selten statt (Hairston 2002). Die Hürden für regelmäßige Besuche sind persönlicher, logistischer und finanzieller Natur, wobei diese für die Kinder spürbar als Belastung erlebt werden (Shlafer/Poehlmann 2010). Insbesondere ungünstige Besuchszeiten während der Schulzeit, die einschüchternde Umgebung, fehlendes Verständnis des Regelwerks im Gefängnis sowie wie das Verbot von Geschenken und Körperkontakt tragen zum negativen Erleben der Kinder bei (Hissel et al. 2011). In den USA kommt hinzu, dass zwischen Wohnort der Angehörigen und Haftort durchschnittlich drei bis vier Autostunden liegen und dies mit hohen Transportkosten verbunden ist (Naser/Visher 2006). Hinzu kommen auch anfallende Telefonkosten. Naser und Visher (2006) zeigen aber auch, dass trotz dieser Hindernisse versucht wird, Kontakt aufrecht zu erhalten. So gaben 95 % der befragten nicht-inhaftierten Caregiver an, mit dem Inhaftierten Kontakt gehalten zu haben. Besonders bedeutsam erscheint die Aufrechterhaltung des Kontakts bei guten familiären Beziehungen vor der Haft. So ist die Qualität der (elterlichen und partnerschaftlichen) Beziehung vor Inhaftierung ein signifikanter Prädiktor für die Beziehungsqualität nach Inhaftierung (La Vigne et al. 2005). Es gibt hingegen keine Hinweise darauf, dass Kontakt für Familienangehörige förderlich ist, wenn zuvor keine oder eine negativ empfundene Beziehung zum Inhaftierten besteht.

3.3 Mesoebene Sozialraum und sozioökonomische Faktoren

Geller et al. (2009) finden, dass Kinder inhaftierter Eltern mehr Instabilität in ihrem sozialräumlichen Umfeld erfahren und signifikant mehr Umzüge erleben. Für die Betroffenen bedeutet dies nicht zuletzt häufige Schulwechsel, was zu einem Gefühl der Isolation im eigenen Sozialraum führen kann (Bocknek et al. 2009). Auch schulische Leistungen von Kindern inhaftierter Eltern sind mittelbar betroffen. In einer Meta-Analyse schwedischer Daten war für betroffene Kinder eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit vorhanden, mit 16 Jahren noch eine Schule zu besuchen oder einen Abschluss zu erlangen (Dobbie et al. 2019). Auch für die USA ergibt sich eine negative Korrelation zwischen väterlicher Inhaftierung im Kindesalter und der Wahrscheinlichkeit eines Collegeabschlusses sowie der Zufriedenheit der Kinder mit ihrem eigenen Bildungserfolg im Erwachsenenalter (Miller/Barnes 2015). Trice und Brewster (2004) fanden für die USA zusätzlich eine deutlich erhöhte Rate an Schulabbrüchen unter betroffenen Kindern von 36 % im Vergleich zu 9 % im nationalen Durchschnitt. Nach Dallaire (2007b) sind diese negativen Folgen im Bildungsbereich nur im Zusammenspiel mit der Destabilisierung der familiären und sozialräumlichen Beziehungen im Sinne kumulativer Risiken zu verstehen. So sind z. B. unter den Kindern, die zudem fremduntergebracht wurden, die meisten Schulabbrüche zu verzeichnen (Trice/Brewster 2004).

Die erhöhten Risiken im Bildungsbereich setzen sich in Form schlechterer Integration in den Arbeitsmarkt fort. Entsprechend haben Kinder von Inhaftierten in den USA im Erwachsenenalter durchschnittlich weniger Einkommen, besitzen mit geringerer Wahrscheinlichkeit Wohneigentum und leben häufiger von Sozialhilfe als der nationale Durchschnitt (Miller/Barnes 2015). Einer schwedischen Studie zufolge sind die negativen finanziellen Folgen einer elterlichen Inhaftierung wiederum besonders gravierend für Kinder aus bereits einkommensschwachen Familien (Dobbie et al. 2019). So ist die Inhaftierung eines Elternteils ein verlässlicher Indikator für eine finanzielle Notlage in der Familie des oder der Inhaftierten (Phillips et al. 2006). Aggraviert wird dieser Effekt auch auf dieser Wirkungsebene, wenn die Kindesmutter inhaftiert ist.

Arditti et al. (2003) zeigen, dass eine Mehrheit der befragten Familien zwar bereits vor Inhaftierung über ein unterdurchschnittliches Einkommen verfügte, während der Inhaftierung aber in eindeutig prekäre Verhältnisse abrutschte. So lebten 28,6 % der Familien nach der Inhaftierung unter der Armutsgrenze, was vor der Inhaftierung nur auf 5,4 % zutraf. Ein häufiger Grund für die Einbußen war hier das Dilemma zwischen Ausfall eines Einkommens und der Notwendigkeit für nicht inhaftierte Kindesmütter (hier nur weiblich), ihren Job wegen der steigenden Care-Aufgaben aufzugeben. Auch längerfristig ist eine materielle Benachteiligung von Familien mit Inhaftierungserfahrung auszumachen. Vormals inhaftierte Väter sind häufiger arbeitslos, verdienen weniger und zahlen dementsprechend gegebenenfalls auch weniger Unterhalt an Angehörige (Geller et al. 2009). Foster und Hagan (2015) betonen für die USA den Faktor „Collegeabschluss“ als wichtige Moderatorvariable der Zusammenhänge zwischen elterlicher Inhaftierung, instabilen Familienverhältnissen und ökonomischer Notlage. Ihre Studie zeigt, dass das Vorhandensein eines Collegeabschlusses die meisten negativen Effekte väterlicher Inhaftierung – mit Ausnahme des familiären Haushaltseinkommens – signifikant abmildern kann.

3.4 Exo- und Makroebene sozialer Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse

Die Forschungslage in diesem Bereich ist bisher weder umfangreich noch eindeutig. Gleichwohl verdichten sich Hinweise darauf, dass Stigmatisierung und eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe als spezifische Risiken auf der Makroebene nicht isoliert zu betrachten sind, sondern die Auswirkungen auf den zuvor beschriebenen Ebenen (individuelle, Mikro- und Meso-Ebene) maßgeblich verstärken können. Gesundheitliche Belastungen, sozioökonomische Benachteiligungen und familiäre Instabilität erscheinen also nicht nur als parallele Effekte, sondern werden durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Ausschlussprozesse zusätzlich intensiviert.

Jackson et al. (2021) finden messbare Unterschiede zwischen väterlicher Abwesenheit wegen Inhaftierung und väterlicher Abwesenheit aus anderen Gründen. Es wird angenommen, dass die Stigmatisierung (ehemals) Inhaftierter hierbei einen verstärkenden Effekt hat, der sich bis auf die schlechtere Gesundheit betroffener Kinder niederschlägt. Es wird als vermittelnder Zusammenhang vermutet, dass sich Stigmatisierung auf Familienangehörige und besonders Kinder überträgt (Phillips/Gates 2011) und es somit zu einer realen sozioökonomischen Benachteiligung für diese Personen (Wildemann et al. 2017) und der oben bereits mehrfach erwähnten Kumulation von Risikofaktoren kommt. Allerdings konnte in dem durch die EU geförderten Projekt COPING, bei dem Kinder von Inhaftierten befragt wurden (N = 145), beispielsweise nicht festgestellt werden, dass diese vermehrt von direkten Stigmatisierungserfahrungen oder Mobbing an Schulen berichteten (Bieganski et al. 2013). Anders gestalten sich die Ergebnisse von Wildemann et al. (2017) aus den USA. Diese zeigen eine deutlich messbare Stigmatisierung von Kindern Inhaftierter durch Lehrkräfte, die von Kindern Inhaftierter stereotyp mehr Verhaltensauffälligkeiten und weniger soziale Kompetenzen erwarten, wobei Jungen von diesem Stigma im größeren Ausmaß betroffen sind. Hissel et al. (2011) gehen aufgrund erster Ergebnisse in den Niederlanden zusätzlich davon aus, dass ältere Kinder darüber hinaus auch Stigmatisierung durch Peers befürchten, was empirisch weiter geprüft werden muss.

Über unmittelbare Stigmatisierungserfahrungen hinaus zeigt sich eine eingeschränkte soziale und politische Teilhabe von Kindern Inhaftierter. Foster und Hagan (2007) finden, dass betroffenen Individuen häufiger obdachlos, seltener krankenversichert und weniger politisch aktiv sind. So belegen die Autor*innen anhand der Add-Health-Daten, dass jedes zusätzlich absolvierte Jahr in einer Bildungsinstitution der inhaftierten Elternperson das Risiko intergenerationaler sozialer Exklusion ihrer Kinder um etwa 5–7 % senkt, wobei rund ein Drittel dieses Schutzeffekts über den eigenen schulischen bzw. akademischen Abschluss der Kinder vermittelt wird (Mediationseffekt).

Für Fragen politischer Teilhabe in den USA ist zu beachten, dass den Inhaftierten hier oftmals das Wahlrecht, teilweise dauerhaft, entzogen wird (Murray 2007). Auch werden sie langfristig durch juristische Entscheidungen sanktioniert und besonders in ihrer familiären Teilhabe eingeschränkt (Hairston 2002). So dürfen die aktuellen Caregiver der Kinder keine verurteilten Personen bei sich aufnehmen. Sind Kinder Inhaftierter z. B bei ihren Großeltern untergebracht, dürfen Väter nach Haftentlassung nicht auch dort leben. In Anbetracht der Befunde, dass die Destabilisierung der Betreuung von Kindern als aggravierender Faktor für negative Auswirkungen elterlicher Inhaftierung fungiert, wird deutlich, dass so auch rechtliche Rahmenbedingungen zur Kumulation von Risiken beitragen können.

4. Diskussion

Ziel dieses systematischen Reviews war es, die empirische Forschung zu den Auswirkungen elterlicher Inhaftierung auf nahe Angehörige multiperspektivisch zu systematisieren. Ausgehend von einem ökosystemischen Rahmenmodell wurde Inhaftierung nicht als singuläres Ereignis, sondern als sozialer Prozess betrachtet, der entlang verschiedener Ebenen – vom Individuum bis zu gesellschaftlichen Strukturen – wirkt. Die Analyse von 40 internationalen Studien verdeutlicht, dass elterliche Inhaftierung als Kristallisationspunkt kumulativer Belastungen verstanden werden kann, in dem gesundheitliche, familiäre, soziale und strukturelle Risiken zusammenlaufen und sich gegenseitig verstärken.

Auf individueller Ebene zeigen sich psychische Belastungen bei den Angehörigen sowie internalisierende und externalisierende Symptome bei betroffenen Kindern. Auf der Mikroebene treten Beziehungsinstabilitäten innerhalb der Familie auf, etwa durch den Verlust vertrauter Routinen, emotionale Überforderung der betreuenden Bezugspersonen oder erschwerten Eltern-Kind-Kontakt. Auf der Mesoebene wirken sozioökonomische Belastungen, instabile Betreuungssituationen und institutionelle Brüche – wie Schul- oder Wohnortwechsel – als verstärkende Kontexte, die familiäre Sicherheit und Teilhabe zusätzlich erschweren. Auf der Exoebene entfalten sich strukturelle Einflüsse, die außerhalb der direkten Kontrolle der betroffenen Familien liegen, etwa restriktive Besuchsregelungen, Justizvollzugspraxen oder institutionelle Hürden in der sozialen Unterstützung. Auf der Makroebene greifen schließlich gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse, kulturelle Deutungsmuster und Stigmatisierung als übergeordnete Risikoverstärker.

Schutzfaktoren wie Bildungserfolg, emotionale Stabilität der Caregiver oder förderliche Schulumfelder wirken dabei moderierend, bleiben jedoch kontextabhängig und sozial ungleich verteilt. Diese Verschränkung individueller, mikro-, meso-, exo- und makrostruktureller Faktoren unterstreicht die Notwendigkeit, Inhaftierung in Forschung und Praxis als systemisch eingebetteten Prozess zu begreifen.

4.1 Bildung als Ressource

Einen besonderen Stellenwert bei der Bewältigung von negativen Folgen einer Inhaftierung nehmen Indikatoren formaler Bildung ein. Bildung fungiert als Bewältigungsressource sowohl für psychosoziale als auch sozioökonomische Nachteile von Inhaftierung für die betroffenen Familien. Besonders wichtig sind dabei nicht nur die schulische Ausbildung der Kinder, sondern auch berufliche Ausbildungsprogramme für die Erwachsenen während der Inhaftierung. Bildung wirkt also als wichtige Ressource zur Reduzierung der Risiken für Angehörige, darf jedoch nicht isoliert von anderen Kontextfaktoren betrachtet werden. Gerade das Zusammenspiel zwischen einem geringen Bildungsniveau und finanzieller Not in der Familie Inhaftierter legt nahe, Bildung als Ressource zu deuten, die der Kumulation von Risikofaktoren entgegenwirkt (z. B. Geller et al. 2009). Inhaftierung kann jedoch auch spezifische Hürden für die Teilhabe an Bildungsprozessen haben, wie die Stigmatisierungstendenzen der betroffenen Kinder durch Lehrkräfte zeigen (Wildeman et al. 2017). Es gibt also Hinweise darauf, dass die Inhaftierung eines Familienmitglieds bei gleichzeitig geringem Bildungsniveau ein relevanter Indikator für besonders gravierende Risikokonstellationen darstellt. Einschränkend muss die deutliche Forschungslücke zur Rolle des Bildungsniveaus inhaftierter Mütter betont werden.

4.2 Stabilität im häuslichen Umfeld

Im Fall von Müttern gibt es Hinweise darauf, dass deren Inhaftierung häufiger die Destabilisierung oder auch den Verlust des sozialen Umfeldes für Kinder bedeutet (Bocknek et al. 2008). Dallaire (2007b) stellt fest, dass konstante und sensible Pflege die Risiken elterlicher Inhaftierung reduzieren kann. Ein Erhalt der Caregiver-Konstellation wirkt sich auch prospektiv günstig auf Straffälligkeit bei jugendlichen Kindern aus. Wichtig ist hierbei, dass auch das inhaftierte Elternteil – bei guter Beziehungsqualität – als Ressource fungiert und dass Unterstützung am Standort Schule ebenfalls Destabilisierung abmildern kann. Auf der Beziehungsebene ist die Wechselwirkung zwischen geringer Beziehungsqualität vor der Inhaftierung und mangelnden Bewältigungsstrategien ihrer (emotionalen) Folgen zu bedenken (Poehlmann 2005b). Das bedeutet, dass die Unterstützung der nicht inhaftierten Caregiver (in den vorliegenden Studien zumeist Mütter) bei ihrer Stressbewältigung ein relevantes Bindeglied darstellt zwischen elterlicher Inhaftierung und negativen Folgen für die Kinder (Arditti et al. 2003). Individuell betrachtet entsteht ein erhöhtes Risiko für stressbedingte Erkrankungen bei Partner*innen von inhaftierten Personen (Tadros et al. 2022). Gleichzeitig schlägt sich dieser Stress vermittelt über die Elternrolle in der Kindererziehung nieder (Antle et al. 2019). Das Mitwirken des inhaftierten Elternteils kann den Stress der Caregiver signifikant mindern, was jedoch bisher nur für Väter untersucht scheint (Antle et al. 2019; Tadros et al. 2022). Die Destabilisierung familiärer Beziehungen ist erneut im Zusammenspiel mit anderen Stressoren wie finanzieller Not zu betrachten (Murray 2005). Gerade in dieser Weise der Betrachtung der Beziehungsebene wird deutlich, wie elterliche Inhaftierung als „Strafe“ nicht nur eine formale, sondern eine sozial tiefgreifende Zäsur darstellt. Die Inhaftierung wirkt wie ein Katalysator für familiäre Umordnungen, bei denen der Verlust gemeinsamer Rituale, Rollenverschiebungen und emotionale Unsicherheiten auf der Ebene innerfamiliärer Beziehungen besonders ineinandergreifen. Diese Prozesse belegen exemplarisch, dass Strafe nicht nur juristisch codiert, sondern in ihrer sozialen Wirkung als Kristallisationspunkt von Belastungserfahrungen innerhalb familiärer Entwicklungsverläufe verstanden werden muss.

4.3 Kontinuität des Kontakts zur inhaftierten Person

Kontinuierlicher Kontakt zum inhaftierten Elternteil kann eine Ressource bei der Bewältigung zunehmender Belastung der Familienmitglieder sein, wenn vor der Inhaftierung eine tragfähige Eltern-Kind-Beziehung bestand (La Vigne et al. 2005). Unklar bleibt daher, ob Besuche in Haftanstalten ein pauschal angemessenes Mittel zur Kontaktpflege sind, da Kinder diese häufig negativ bewerten (Shlafer/Poehlmann 2010). Auch zeigen sich laut La Vigne et al. (2005) keine signifikanten Unterschiede zwischen direktem und medialem Kontakt (z. B. Mail, Telefon), was ebenfalls auf die Bedeutung weiterer Untersuchungen der Rolle der Beziehungsqualität (vergangen und aktuell) gegenüber der reinen Kontakthäufigkeit oder ‑form verweist. Forschungsmethodisch stellt sich dabei die Frage, welche spezifischen Indikatoren von Beziehungsqualität in diesem Kontext prädiktiv valide sind.

4.4 Limitationen

Eine zentrale Einschränkung der Generalisierbarkeit ergibt sich aus der starken Dominanz US-amerikanischer Studien im Korpus. Unterschiede in Inhaftierungsraten (z. B. 629 pro 100.000 Einwohner in den USA vs. 67 in Deutschland; Bocksch 2022), Strafvollzugssystemen, Sozialhilfestrukturen und gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Inhaftierten führen zu sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen für betroffene Familien. Diese Kontexte beeinflussen sowohl die Erfassbarkeit als auch die Stärke der berichteten Effekte und erschweren deren unmittelbare Übertragung auf andere Länder.

Gleichzeitig zeigt sich, dass bestimmte Wirkungszusammenhänge – etwa der Zusammenhang von elterlicher Inhaftierung und langfristig erhöhtem Delinquenzrisiko bei Kindern – über nationale Grenzen hinweg in vergleichbarer Form beobachtet werden (z. B. in den Niederlanden: van de Rakt et al. 2012; in den USA: Murray et al. 2012). Diese transnational auftretenden Muster sind besonders relevant, da sie auf strukturell robuste Prozesse sozialer Vererbung hinweisen. Auch die Rolle von Bildung als vermittelnder Schutzfaktor für Kinder inhaftierter Eltern – erfasst anhand von Bildungsabschlüssen – wurde in mehreren Studien hervorgehoben und erscheint anschlussfähig über verschiedene nationale Kontexte hinweg (vgl. Foster/Hagan 2007).

Neben diesen Gemeinsamkeiten bestehen wichtige Kontextdifferenzen, etwa in Bezug auf Stigmatisierung, familienpolitische Unterstützung, Haftregime oder bildungspolitische Inklusionsstrukturen. Eine genauere Kontextualisierung solcher Rahmenbedingungen, wie sie in vergleichenden Studien bisher kaum geleistet wird, wäre daher ein zentrales Desiderat für weiterführende Forschung.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Studien mehrfach belastete Familien untersuchen, bei denen Armut, psychische Belastungen oder instabile Wohnverhältnisse kumuliert auftreten. In solchen Konstellationen lässt sich die Wirkung von Inhaftierung analytisch nur schwer isolieren. Gerade deshalb ist eine systematische Betrachtung der sozialen, institutionellen und kulturellen Umwelten unerlässlich – sowohl zur Einordnung bestehender Befunde als auch zur Ausrichtung zukünftiger Studien im deutschsprachigen und europäischen Raum.

5. Fazit

Insgesamt zeigt die Analyse, dass elterliche Inhaftierung im Sinne des vorgeschlagenen ökosystemischen Modells nicht als singuläres Ereignis, sondern als ein Marker in einem komplexen Geflecht kumulativer Belastungsprozesse wirkt, das durch vorbestehende Risiken, institutionelle Eingriffe und soziale Zuschreibungen strukturiert ist. Die Inhaftierung eines Elternteils belastet die familiären Beziehungen der Angehörigen und führt zu einer Destabilisierung, die insbesondere Kinder beeinträchtigt, die aus ihrem gewohnten familiären und sozialräumlichen Umfeld entfernt werden. Als ein zentraler vermittelnder Mechanismus zwischen den Wirkungsebenen erscheint die Zunahme von Belastung und Stress der verbliebenen Caregiver sowohl auf sozioökonomischer als auch psychosozialer Ebene. Es gilt jedoch Risikofaktoren zu beachten, die bereits vor Inhaftierung bestehen. Inhaftierung eines Familienmitglieds (bzw. Caregivers) ist zudem als bedeutsamer Indikator für ein kumulatives Zusammenwirken unterschiedlicher Risikofaktoren zu verstehen, die auch zu sozialen Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozessen beitragen. Das spezifische Zusammenspiel unter Beachtung der jeweiligen juristischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schränkt die Übertragbarkeit internationaler Befunde stark ein. Das in diesem Beitrag entwickelte tentative Rahmenmodell kann daher als strukturierender Ausgangspunkt dienen, um eine empirische Forschungsagenda zu entwickeln, die nicht nur individuelle Effekte, sondern auch die soziale Wirksamkeit von Strafe im Kontext familialer Entwicklung systematisch erschließt.

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Auswirkungen der Inhaftierung auf Angehörige – Forschungstabelle

Farbkodierung Wirkungsdimensionen der Inhaftierung auf die Angehörigen

Individuum Mentale und Physische Gesundheit, Verhalten bei Kindern

Mikrosystem Beziehungen innerhalb der Familie: zum / zur Inhaftierten, untereinander

Mesosystem Sozialraum und sozioökonomisches Wohlergehen

Exo- und Makrosystem Kumulative s Risiken, Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse,

 

Abkürzungen

K,k

Kind/er, kindlich/e

V,v

Vater/Väter, väterlich/e

M,m

Mutter/Mütter, mütterlich/e

E,e

Eltern, elterlich/e

Et

Elternteil

F,f

Familie, familiär/e

P,p

Partner/in, partnerschaftliche

I,i

Inhaftierung, inhaftiert/e

 

Quelle (Autor:innen, Jahr, Titel, Land)

Methode, Forschungsinteresse & Proband:innen

Wichtigste Erkenntnisse

Auswirkungen

Antle, K., Gibson, C. L., & Krohn, M. D. (2019).
The mediating role of family dynamics in the relationship between paternal incarceration and child behavior problems
USA

Fragile Families and Child Wellbeing Study (FFCWS):
Längsschnittstudie (3 Jahre) untersucht bis heute die F von 5000 K (geb. 1998 - 2000). Hier: pot. Mediatoren für Auswirkungen v I auf Verhaltensauffälligkeiten K

  • Potenzielle Mediatoren:Depressionen und elterlicher Stress von M, Gewalt gegen K, Mitwirken V

  • Signifikanter Zusammenhang zwischen allen Variablen und v I bis auf Gewalt gegen K (S.24)

  • K (9 J.) von inhaftierten V zeigt mehr externalisierende Verhaltensweisen als Vergleichsgruppe (S.24)

  • Alle potenziellen Mediatoren stehen in signifikaten Zusammenhang zu externalisierendem Verhalten K (S. 25-26)

  • Internalisierendes Verhalten von K nicht in Zusammenhang mit I, aber Depression und Erziehungsstress M (S.26)

K: externalisierende Verhaltensweisen
M: mentale Gesundheit

Arditti, J. et al. (2003).
Saturday Morning in the Jail: Implications of Incarceration for Families and Children
USA

Qualitative Forschung: 56 teilstrukturierte Interviews mit Caregivern von K, deren Et (davon 5 M) i war und die diesen besuchten. Interviews wurden innerhalb von 10 Wochen im selben Gefängnis geführt, zu Zeiten, an denen Besuche von K stattfinden konnten. Untersucht wurden soziale, gesundheitliche und ökonomische Charakteristika von Familien, die von Haft betroffen sind.

  • Finanzielle Situation: Bereits vor I prekär, während I verschlechtert, Mehrheit unter Armutsgrenze (Vor I: 5,4% während I: 28,6% unter 5000$/Jahr) (S.199, S.200)

  • Gründe für finanzielle Einbußen: fehlendes Einkommen des Inhaftierten, M muss Arbeit aufgeben, Verlust von Sozialhilfe für K, finanzielle Unterstützung des i Angehörigen (S.200)

  • Beziehungen zwischen den Angehörigen Inhaftierter: ⅓ Caregiver verbringen weniger Zeit mit K und 40% geben an, dass sich die Beziehung zu K veränderte (S.200)

  • Negative gesundheitliche Auswirkungen: ca ½ geben an, dass sich ihre eigene und ⅓ dass sich die Gesundheit der K verschlechtert hat (besonders bei biologischen K und K, die nicht nur durch M betreut werden) (S.200)

  • >80% geben an, dass I zu Problemen führt, <30%, dass I auch Probleme löse, meist in Zusammenhang mit Sucht und Abstinenz (S.200 & 201)

  • Gründe für f Probleme in Verbindung mit I: emotionaler Stress, Kindererziehung, Arbeits-Familien-Konflikte, Sorge um Kinder (S.200)

  • Alleinerziehende, arbeitende Angehörige besonders gestresst, fühlen sich sozial isoliert, vernachlässigen sich selbst (S.200)

  • Nehmen Verhaltensänderungen bei K wahr (S.201)

F: vermehrt von Armut betroffen

K: verschlechterte Gesundheit

F: Beziehung zwischen K und Caregiver verändert

Bocknek, E. L. et al. (2008).
Ambiguous Loss and Posttraumatic Stress in School-Age Children of Prisoners
USA

Qualitative und quantitative Methoden: 35 interviewte K, mit einem i Angehörigen, der eine Caregiving Rolle für das K ausübte. Untersucht wurden soziale Unterstützung, Trauma-Symptome, inter- und externalisierendes Verhalten sowie inter- und intrapersonelle Stärken der K.

  • Signifikanter Zusammenhang zwischen Posttraumatischen und internalisierten Symptomen, Anzahl an unterstützenden Personen und externalisierendem Verhalten & persönlichen Stärken (S.327)

  • F Beziehungen: oftmals mehr als eine = komplex (S.328), berichten von mehreren Risikofaktoren im häuslichen Umfeld (S.331)

  • Sozialraum: K berichten, sich sozial isoliert zu fühlen, entweder aufgrund der I oder wegen häufiger Schulwechsel. Die meisten berichten von Verhaltensauffälligkeiten und/oder geringer schulischer Leistung (S.328)

  • Bewältigungsstrategien: Vermeidung (S.328), viele geben an, dass es ihnen an f und sozialem Halt zur Bewältigung von Stress fehlt. K, die in der Schule ärztlich betreut wurden, berichteten von gesunden Bewältigungsstrategien (S.329)

  • K, die wussten wo sich die / der i Angehörige aufhielt, wirken entspannter im Interview und viele gaben an, gerne mehr darüber wissen zu wollen (S.329)

  • generell mehr internalisierende Verhaltensweisen bei diesen Proband:innen (S.330)

→ Implikationen: ärztliche Betreuung K kann helfen Bewältigungsstrategien zu entwickeln, Aufklärung über Aufenthaltsort von inhaftierter Person = gewünscht

K: Verhaltensauffälligkeiten, Posttraumatische Symptome

F: oftmals komplexe Bindungsmuster

K: Isolation im Sozialraum (Schule), geringe schulische Leistungen

Dallaire, D. H. (2007a).
Incarcerated Mothers and Fathers: A Comparison of Risks for Children and Families
USA

Querschnittsstudie: Über 6000 i Et befragt. Untersucht wurden Unterschiede in der Straffälligenrate und Lebenssituation der K im Verhältnis zum Geschlecht Et

  • I M berichten häufiger von emotionalen Problemen, mentalen Erkrankungen, sexuellem und physischem Missbrauch (S.444) und haben häufiger mehrere i Angehörige (S.446)

  • K im Erwachsenenalter selbst i: häufiger wenn M i als V i, verstärkt bei beiden Geschlechtern: Ethnie (Afro-amerikanisch), Anzahl Kinder, wenn Partner:in ebenfalls in Haft. Verstärkt nur bei M: Drogenabusus (S.446)

  • Effekte von akkumulierenden Risikofaktoren zu beobachten, Minderjährige K von inhaftierten M häufiger bei Ge oder fremd untergebracht (S.448)

K: spätere Kriminalität

F: kumulative Risikofaktoren bei inhaftierten E

K: häufiger fremd untergebracht / bei Ge wenn M i

Dallaire, D. H. (2007b).
Children with incarcerated mothers: Developmental outcomes, special challenges and recommendations
USA

Review: Behandelt Forschung zu Auswirkungen, sowie Risikofaktoren und fördernden / protektiven Faktoren bei K mit i M, Altersspezifisch

  • Risikofaktoren: Miterleben von mehreren stressvollen und traumatischen Ereignissen, häufige Umzüge (S.16)

  • Soziale Unterstützung und konstante, sensible Pflege wirken entgegen (S.16)

  • Kleinkinder: viele K mit inhaftierter M haben unsicheren Bindungstyp, bes. wenn fremd untergebracht (S.16)

  • Schulalter: Instabile Familienverhältnisse = Risikofaktor für geringeren Bildungserfolg. Protektiv: soziale Unterstützung und optimistische Grundeinstellung (S.17)

  • Jugendalter: Bei M stärker als bei V: kriminelles Verhalten. Abgeschwächt, wenn starker Familienzusammenhalt (S.18)

→ Implikationen: Verbleib in familiären Strukturen fördern und diese stärken, Diskontinuität vermeiden

K: geringerer Bildungserfolg und Jugendkriminalitä

K: instabile Bindungen und f Verhältnisse

Häufige Umzüge

Dennison, S. et al. (2012).
A prevalence study of children with imprisoned fathers: annual and lifetime estimates
Australien

Soziodemo. Erhebung, Querschnitt. 303 inhaftierte V (mit insg. 753 K) wurden befragt zu Haft, Ethnie, K (Umgang und Sorge), Lebensumstände vor I

  • K von Indigenous sind viermal so häufig von i V betroffen wie nicht indigenous K (S.352)

  • 48,4 % der V lebte vorher mit K zusammen (S.350)

  • über 80 % der K leben mit biologischer M

K: wenn indigenous 4 mal so oft von v Haft betroffen

Dobbie, W. et al. (2019).
The Intergenerational Effects of Parental Incarceration
Schweden

Längsschnitt: Meta-Analyse von statistischen Erhebungen aus Schweden seit 1985. Untersucht werden sozioökonomische Effekte von e I auf K und F, sowie riskantes Verhalten K

  • Jugendstrafen für K wahrscheinlicher (S.17), Bildungserfolg für K sinkt: Schulnoten, Wahrscheinlichkeit mit 16 die Schule zu besuchen und einen Abschluss zu erlangen (S.19)

  • Arbeitsmarkt: geringeres Einkommen (v.a. in einkommensschwachen F) (S.19)

  • Mediatoren: Effekte größer bei i M und nicht vorhanden bei privilegierten F (S.2)

  • I Et schmälert Einkommen und Wahrscheinlichkeit Arbeit zu finden, vergrößert Wahrscheinlichkeit für Getrenntleben der E (S.20–21)

K: Jugendstrafe, Bildungserfolg, Einkommen

I: weniger Einkommen in Folgejahren

F: E leben häufiger getrennt

Farrington, D. P., Coid, J. W., & Murray, J. (2009).
Family factors in the intergenerational transmission of offending
UK

Längsschnittstudie: drei Generationen (G1, G2, G3) derselben Familien, von 1961–2007. Untersucht wurde, ob sich das Merkmal “Verurteilung” f überträgt

  • Verurteilte Frauen verpartnern sich häufiger mit verurteilten Männern (S.116)

  • Signifikantes Ergebnis für Übertragung von dem Merkmal “Verurteilt” von G1 V & G1 M zu G2 Sohn, allerdings nicht von G2 zu G3. Bei G1 Großmutter zu G3 Enkelin lässt sich auch ein Zusammenhang feststellen, jedoch schwächer (S.117)

  • G1 zu G2: Übertragung ggf. indirekt, da andere Risikofaktoren in der Kindheit auch signifikant im Zusammenhang mit einer späteren Verurteilung stehen (S.117)

  • G2 zu G3: etwas weniger signifikant, ungenauere Messungen, aber dennoch sozioökonomische Risikofaktoren (S.119,120)

  • Risiko wird nicht höher, wenn beide Et verurteilt (S.122)

→ Implikationen: Mediatoren bei der Prävention beachten (Sozioökonomisches Risiko, Erziehungskompetenzen E)

K: Kriminelles Verhalten

Foster, H., & Hagan, J. (2007).
Incarceration and Intergenerational Social Exclusion
USA

Add Health: Längsschnittstudie 7.–12. Klasse aus 132 Schulen. Untersucht wurden die ersten 3 Wellen (1995–2002) auf einen Zusammenhang zwischen v I und sozialer Ausgrenzung von K während des Übergangs ins Erwachsenenalter

  • Indikatoren für soziale Ausgrenzung auf der 1. Stufe: politisches Disengagement, Obdachlosigkeit, keine Krankenversicherung (S.409). Zusammenhang in allen Bereichen signifikant, besonders Obdachlosigkeit, am wenigsten bei politischem Engagement (S.412)

  • BIPOC V häufiger inhaftiert (S.412–413)

  • Je höher der Bildungserfolg von V, desto schwächer fallen alle diese Effekte aus (S.413) und Bildung K wiederum in Zusammenhang mit Bildung V (S.415). → Bildung als wichtiger Mediator (S.418)

  • Indirekter Effekt der I des biologischen V auf Töchter: vulnerabler für Missbrauch durch Ersatz-Vaterfigur und Risiko für Obdachlosigkeit (S.418)

Töchter: Absenz des biologischen V als Risikofaktor für Missbrauch in der F

K: Bildungserfolg der E überträgt sich auf K, ethnische Herkunft als Risikofaktor

Foster, H., & Hagan, J. (2015).
Maternal and Paternal Imprisonment and Children's Social Exclusion in Young Adulthood
USA

Add Health. Hier: inklusive Welle 4 (2007–2008). Untersucht wird die soziale Ausgrenzung bei jungen Erwachsenen, die in ihrer Kindheit e I erlebt haben. Fokus: individuelles Einkommen, Haushaltseinkommen, der wahrgenommene sozioöko. Status und Gefühle von Machtlosigkeit bei K.

  • chtigster Mediator: Collegeabschluss, reduziert alle Effekte von e I auf sozioökonomische Ausgrenzung signifikant bis auf den Effekt von e I auf das Haushaltseinkommen (S. 421)

  • V I generell und V I während der Schulzeit von K steigern die Wahrscheinlichkeit für geringeres individuelles Einkommen K, sowohl V als auch M I senken den gefühlten sozioökonomischen Status bei K und V zu Schulzeiten und M I generell haben einen negativen Effekt auf wahrgenommene Machtlosigkeit.
    Man kann also davon ausgehen, dass e I die Laufbahn ihrer K auch noch im Erwachsenenalter negativ beeinflusst (S.421) und zu sozialer Ausgrenzung führt (S.422)

→ Implikationen: schulische Förderung für K

K: Soziale Ausgrenzung im jungen Erwachsenenalter

Mediator: schulischer Erfolg

Geller, A., et al. (2012).
Beyond Absenteeism: Father Incarceration and Child Development
USA

FFCWS: Längsschnittstudie
Hier: Fokus i V und Indikatoren für Entwicklung junges K untersucht. Vergleich: Unterschied Abwesenheit wg. Haft / aus anderen Gründen

  • Bes. bei kürzlicher V I: Aggressivität verstärkt, nicht aber wenn M I. Allerdings Wahrscheinlichkeit dann höher, dass auch V I (S.10), gilt doppelt so stark für Jungs (S.12)

  • Aufmerksamkeitsdefizite wenn V kürzlich inhaftiert (S.11)

  • Stärker als bei anderen Gründen für Absenz (S.11), gelten nur für Jungs (S.12), stärker wenn zuvor zusammengelebt (S.11), Ausnahme: wenn V zuvor gewalttätig (S.12)

  • Konklusion: Effekte von väterlicher I sind signifikant und schädigend für junge Kinder (S.13)

K: Aggressivität wenn V i, ggf. Aufmerksamkeitsdefizite

Geller, A. et al. (2009).
Parental Incarceration and Child Wellbeing: Implications for Urban Families
USA

FFCWS: Längsschnittstudie.
Hier: Untersuchten die ökonomische Situation, Instabilität in Ehe / Partnerschaft und Wohnsituation, sowie die Kindesentwicklung bei F, die von I betroffen sind.

  • Soziodemografische Beschreibung von von I betroffene F: Minoritäten, E nicht verheiratet, seltener in Arbeit, jünger und weniger gebildet als Vergleichsgruppe

  • I V “performen” während und nach der Haft schlechter auf dem Arbeitsmarkt: häufiger arbeitslos, weniger Verdienst, zahlen weniger Unterhalt. Mögliche Gründe: weniger ausgebildet, Stigma. Bei i M gilt dies nicht (S. 7)

  • I V leben häufiger getrennt von F (S.7)

  • K leben weniger wahrscheinlich mit beiden Et zsm, leben häufiger von Sozialhilfe und in finanzieller Not und wechseln öfter den Wohnort (S.7)

  • Verhaltensauffälligkeiten mit 3 Jahren: Risiko leicht erhöht. Jungen zeigen aggressives Verhalten.

→ Implikationen: (Aus-)Bildungsförderung in Haft, besonders männliche Kinder von i V als Risikogruppe identifizieren

F: Sozioöko., finanzielle Risikofaktoren

F: Wohnortwechsel, finanzielle Not

Söhne: Aggressives Verhalten (3 J.)

F: Trennung E

Glaze, L. E., & Maruschak, L.M. (2008).
Parents in Prison and Their Minor Children
USA

Statistische Erhebungen des US Department of Justice, Daten aus 91, 97, 99, 04 und 07 zu i Et.
Befragt zu Anzahl und Alter des Et und K, Vorgeschichte, Kontakt, Haftstrafe.

  • starker Anstieg der Anzahl von i Et (+79% zwischen 1991 und 2007) (S.1)

  • häufige Gründe für I bei Et: Erregung öffentlichen Ärgernisses, Betäubungsmitteldelikte (S.4)

  • Wenn Et i, Kinderbetreuung unterschiedlich nach Geschlecht: wenn V i: K meist bei M. Wenn M i: K meist bei Ge (S.5)

  • M haben häufiger als V Historie mit Obdachlosigkeit, (Medikamenten-)missbrauch, mentale Gesundheit (S.7)

Kumulative Risiken

F: Veränderte Betreuungsverhältnisse

Hairston, C. F. (2002).
Fathers in Prisons
USA

Seminar-Broschüre der “Michigan Family Impact Seminars”, Review.
Untersucht, inwiefern i V in ihrer Rolle als E eingeschränkt werden.

  • Hairston Studie von 1995: Viele Kinder haben ein großes Bedürfnis danach, ihren V während I zu besuchen, auch wenn M dies nicht möchte (S.23) und Besuche finden in der Regel selten statt (S.25)

  • Viele Faktoren verschlechtern Erziehungskompetenzen von i V, bspw. Sucht, Kontakt, Scham, M (S.23–25)

  • Langfristige Auswirkungen auf Erziehungs- und Finanzierungsmöglichkeiten: Unterhalt & Sorgerecht, Einschränkungen bei der Wohnungssuche und ggf. Zusammenleben bei bspw. Mutter des V

→ Implikationen für Politik, Erziehungsmöglichkeiten stärken durch vereinfachten Kontakt, Gesetzgebung bzgl. Umgang, Sorgerecht und Zusammenleben überdenken

F: i V werden langfristig in der Erziehung eingeschränkt

Ausgrenzungseffekte, gesetzliche Einschränkungen für V

Hissel, S. et al. (2011).
The well-being of children of incarcerated mothers: An exploratory study for the Netherlands
Niederlande

Querschnittsstudie, quantitative und qualitative Forschungsmethoden.
Befragt wurden i M (68), minderjährige K über 12 J. (31), und aktueller Caregiver (35).
Untersucht wurde die Lage zu aktuellem Caregiving, Risikofaktoren, Wohlbefinden und Verhalten K, Kontakt zu i M

  • Caregiving-Situation: ⅔ der K lebte bereits vor I getrennt von M. Für ⅓ der K änderte sich die Situation mit I der M: ⅓ fremd untergebracht, ¼ bei V, 13% bei Ge, ⅛ bei anderen Verwandten oder Freunden (S.352)

  • Inter- und externalisierende Verhaltensweisen: M und Caregiver berichten vermehrt von Verhaltensauffälligkeiten bei K im Vergleich zur Norm. Caregivers beobachten mehr externalisierende Verhaltensweisen als M. K, die bereits zuvor von M getrennt lebten, stärker betroffen sind. (S.353)

  • Wohlbefinden: fast alle K berichten von Trauer und / oder Wut, die meisten wünschen sich, dass M entlassen wird (S.353)

  • Schule und Freunde: alle gehen regelmäßig zur Schule, aber einige schneiden schlecht ab, ältere Kinder fürchten sich eher vor Stigmatisierung durch Peers (S.354)

  • M-K-Kontakt: eines der am häufigsten genannten Probleme war das Halten von Kontakt, ca ⅔ der K hatten ihre M bereits besucht (S.355), von dem Rest hatten einige bereits zuvor keinen Kontakt mehr (S.356). Gründe, aus denen Besuch schwierig: Besuchs- während Schulzeiten, (kleinere) K sind eingeschüchtert von Umgebung und verstehen Regelungen (bspw. zu Geschenke machen, Körperkontakt) nicht (S.356)

Häusliche Situation und E-K-Kontakt

K: Verhalten

Stigmatisierung

Jackson, D. B. et al. (2021).
Parental Incarceration, Child Adversity, and Child Health: A Strategic Comparison Approach
USA

Querschnittsstudie, die jedes Jahr erhoben wird: National Survey of Children’s Health (NSCH. Hier die Jahrgänge 2016–2018.
Befragung von K (0–17 J) zu ihrer Gesundheit. Hier: Auswirkungen der I auf K Gesundheit

  • Vergleichsgruppe K ohne “Notlagen” (adversities): starker Zusammenhang zwischen e I und schlechterem Gesundheitszustand in allen Bereichen (S.7)

  • Vergleich mit K, die andere Notlagen wie Gewalt, Diskriminierung, psychische Erkrankungen in der F erleben, schrumpft die Signifikanz. Im Vergleich zu K, die mehreren Risikofaktoren ausgesetzt sind: kein Unterschied festzustellen. (S.12), Unterschied bestehen, vergleicht man mit Gruppe von K, deren E aus anderen Gründen absent sind → Stigma? (S.12)

K: Gesundheit

Stigmatisierung

Johnson, E. I., & Waldfogel, J. (2002).
Children of incarcerated parents: Cumulative risk and children's living arrangements

Querschnittsstudie, quantitative und qualitative Forschungsmethoden. Umfrage aus dem Jahr 1997, befragt wurden knapp 7000 V und 2000 M.
Untersucht wurden die Anzahl und Häufung von e Risikofaktoren bei K von I.

  • Untersucht wurden 8 Risikofaktoren bei E (S.8)

  • Häufung von Risikofaktoren bei i E und K (S.12)

  • 28% der Frauen und 12% der Männer = Hochrisikogruppe (min. 5 Risikofaktoren) (S.12)

  • K, die fremd untergebracht sind, sind besonders von Häufung betroffen (S.12). Die Risikofaktoren bei Et, die häufig bei fremd untergebrachten K zu finden waren sind: körperlicher / sexueller Missbrauch, Schule vor der 12. Klasse abgebrochen, Sozialhilfeempfang (S.13). K, die bei anderen Verwandten / Freunden außer E untergebracht sind, sind eher von Risiko betroffen als jene, die bei Et leben.

→ Implikationen: K mit i Et, die in Jugendhilfeeinrichtungen leben sollten speziell adressiert werden (S.13)

Kumulative Risikofaktoren

La Vigne, N. et al. (2005).
Examining the Effect of Incarceration and In-Prison Family Contact on Prisoners’ Family Relationships
USA

Längsschnittstudie: 233 männliche Inhaftierte (1 & 3 Monate) vor und (2 & 6 Monate) nach der Entlassung interviewt.
Untersucht wurde die Qualität f Beziehungen (Partner:in, minderjährige K und andere Angehörige) vor und nach der Haftentlassung.

  • Generell hat sich die Qualität direkt nach Haftentlassung verbessert (S.323)

  • Kontakt halten während der I wurde als schwierig beschrieben (Gefängnisse weit weg und Telefonie teuer) (S.323)

  • die Qualität der Beziehung vor I = Prädiktor für Qualität nach I (S.323)

  • Je mehr Kontakt zu K während Haft, umso größer Verbundenheit zu K nach I, egal ob Besuche / Mail / Telefon (S.323 und S.328)

  • wenn die Qualität der partnerschaftlichen Beziehung vor der I als gut beschrieben wurde, haben sich Besuche positiv auf die Qualität der Beziehung nach Entlassung ausgewirkt (S.328)

→ Implikationen: Kontakt zu K während Haft kann Bindung seitens V fördern, wenn Qualität der Beziehung vor Haft gut, Kontakt fördernswert um beizubehalten

F: Qualität Beziehungen vor Haft Indikator für Qualität nach I, stärkere Bindung zu K, wenn während I Kontakt

Miller, H. V., & Barnes, J. C. (2015).
The Association Between Parental Incarceration and Health, Education, and Economic Outcomes in Young Adulthood
USA

Add Health, hier: untersucht die Auswirkungen von e I im Kindesalter auf Gesundheit, Bildung und ökonomische Aspekte im Erwachsenenalter der K
USA

  • Signifikante Korrelation zwischen v I im Kindesalter und negative Auswirkungen auf Gesundheit, Bildung und Einkommen: bei 10/11 gemessenen Variablen (Asthma, Migräne, Depressionen, Angststörungen / Panikattacken, schwere Verletzungen im letzten Jahr, allgemeiner Gesundheitszustand, Collegeabschluss, Zufriedenheit mit Bildungserfolg, Einkommen, Wohneigentum und Sozialhilfeempfang) (S.774)

  • Frage bleibt offen, ob direkter Effekt e I oder Angehörigkeit zu Risikogruppe (S.780–781)

K: negative Langzeiteffekte auf:
1. Gesundheit

2. Bildungserfolg und Einkommen

→ kumulative Risiken

Murray et al. (2012).
Children’s Antisocial Behavior, Mental Health, Drug Use, and Educational Performance After Parental Incarceration
UK (& andere Länder)

Review und Meta-Analyse von 40 Studien zur Untersuchung von späteren antisozialem Verhalten, mentale Gesundheit, Drogenabusus, Bildungserfolg bei K, die von e I betroffen sind

  • Signifikante Assoziation zwischen elterlicher Haft und antisozialem Verhalten (delinquentes Verhalten, Kriminalität) (S.184, 186)

  • Hypothese Gründe: von E erlerntes Verhalten, Gene, Stigma? (S.191)

  • Signifikante Assoziation von elterlicher Haft und den anderen Bereichen (S.186)

  • Der Effekt nimmt über die Jahre nicht signifikant ab in den USA, trotz stark steigender Inhaftierungsraten. Forscher hatten die Hypothese aufgestellt, dass dadurch Stigma abgeschwächt wird und infolge auch negative Auswirkungen auf K (S.188)

Stigmatisierung

K: antisoziales Verhalten

Murray, J. (2007).
The cycle of punishment: Social exclusion of prisoners and their children
UK

Querschnittsstudie: Im Kontext von sozialer Ausgrenzung von Inhaftierten und deren K: Erhebung zur Anzahl von kürzlich i V

  • Inhaftierte und F bereits vor Haft ausgegrenzt / benachteiligt: ökonomisch, K von Inhaftierten vereinen durchschnittlich mehr Risikofaktoren als Vergleichsgruppe (S.57), auch soziales Kapital K reduziert: verbleibende Erziehungsberechtigte ggf. mehr Arbeiten und weniger Zeit, unter Stress (S.58)

  • K ab 8 nehmen Diskriminierung wahr und können Stigma durchleben (S.58)

  • Politische Ausgrenzung: Entzug Wahlrecht (S.60)

  • Langzeitrisiken K: Delinquenz, “poor life succes” (S.60)

  • Administrative Ausgrenzung: Unsichtbare Risikogruppe, da fehlende langfristige Erhebungen (S.61)

E und K: Ausgrenzung und Stigmatisierung

P: mehr Stress, weniger Zeit für K

Murray, J. (2005).
The effects of imprisonment on families and children of prisoners
UK

Forschungsreview zu den Effekten einer Inhaftierung auf Partner:innen und Kinder der inhaftierten Person. Quellen: Querschnittsstudien

  • Inhaftierung des Partners kann zu finanziellen Problemen, Traumata und Stress (allein erziehen, Beziehungsprobleme, Umzug,…) führen, jedoch fehlen Längsschnittstudien (S.446)

  • Effekte der Inhaftierung auf K schwierig zu messen, da neben Inhaftierung meist weitere Risikofaktoren bestehen (S.449)

  • Identifikation wichtiger Forschungslücken (S.457)

→ Implikationen: Reduzierung anderer Risikofaktoren / strukturelle Diskriminierung verbessert Situation K, Forschung

P: Mentale Gesundheit
K: Verhaltensauffälligkeiten

K: multifaktorielle Risikogruppe

Naser, R. & Visher, C. (2006).
Family Members’ Experience with Incarceration and Reentry
USA

Quantitative Studie, bei der 247 (87% weibliche) Angehörige von Inhaftierten aus Chicago kurz nach der Entlassung befragt wurden. Untersucht wurden Entbehrungen und f Unterstützung während und nach der I.

  • F Bindungen sind für viele Inhaftierte ausschlaggebend für gelingende Reintegration (S.1)

  • Die meisten (95%) hielten während der Haft Kontakt, allerdings besuchten 67% den Inhaftierten nie, wobei Partner:innen deutlich häufiger besuchten (ca. 50%) als andere Angehörige (S.25)

  • Häufigste Gründe, weswegen Besuch schwierig: Gefängnis zu weit entfernt (3–4 St.), Transport zu teuer (durchschnittlich 55$), keine Transportmöglichkeiten (S.25)

  • Auch Telefonie kostet (ca. 50$ / Monat) (S.25)

F: Wenig persönlicher Kontakt während der I

Phillips, S. D., & Gates, T. (2011).
A Conceptual Framework for Understanding the Stigmatization of Children of Incarcerated Parents
USA

Review und Entwurf einer Rahmenplanung, um in zukünftiger Forschung Stigmatisierung von K von Inhaftierten untersuchen zu können.

  • Starker Verdacht zumindest auf gefühlte Stigmatisierung von Familien mit Haferfahrung, da entgegen Rat häufig den K nicht von I oder dem Grund für I gesprochen wird (S.287)

  • Verdacht, dass Stigmatisierung in Schule dazu beiträgt, dass K Schulphobie entwickelt (S.288)

  • Stigmatisierung von I nachgewiesen, die Frage nach der Übertragung auf K noch offen (S.288)

→ Implikationen: fehlt Forschung

K: Stigmatisierung nicht ausreichend erforscht

Phillips, S. D. et al. (2006).
Disentangling The Risks: Parent Criminal Justice Involvement And Children's Exposure To Family Risks
USA

Great Smoky Mountains Study: Längsschnittstudie mit insgesamt 1420 teilnehmenden K über mehrere Jahre befragt (ca. 9–16 J.)
Hier Fokus: Zusammenhang 3 Faktoren zueinander: e Risiken, f Risiken und e I / Arrest.

  • Risiken, die signifikant mit e I oder Arrest in Zusammenhang stehen sind e Drogenabusus und e Probleme mit mentaler Gesundheit, unabhängig von e Risiken, besteht ein Zusammenhang zwischen f Risiken und e I oder Arrest (S.693)

  • Zudem e I = Prädiktor für ökonomischer Notlage und familiäre Instabilität. Beides hat einen negativen Effekt auf emotionale und behaviorale Probleme bei K und erhöht somit Wahrscheinlichkeit für kriminelle Laufbahn K (S.693)

  • Effekte als Indikator für Prozesse, die zu sozioökonomischer Immobilität führen (S.694)

Intergenerationelle f Risikofaktoren

Phillips, S. D. et al. (2002).
Parental Incarceration Among Adolescents Receiving Mental Health Services
USA

Längsschnittstudie in zwei Wellen (6 Monate). 258 bzw. 237 teilnehmende Jugendliche von 11–18 J, die psychologisch betreut werden. Untersucht wurden Demographische Risikofaktoren, emotionale und behaviorale Probleme in Zusammenhang mit I Et.

  • Demografisch: Afro-amerikaner häufiger betroffen (S.392)

  • Risikofaktoren: vermehrt bei K mit i Et, insbesondere: Et Drogen- oder Alkoholabusus, F Einkommen unter 10.000$, in ihrer Historie Missbrauch oder Vernachlässigung erlebt (S.392), allerdings nicht unbedingt durch E (S.396)

  • In den 6 Monate zwischen Befragungen: eher eine familiäre Krise, pot. Traumatisierendes erlebt (S.392&396)

  • Mentale Gesundheit: höhere Wahrscheinlichkeit für Aufmerksamkeitsprobleme und Hyperaktivität sowie “problems with role performance”, höherer Symptom-Schweregrad, aber weniger schwerwiegende Depressionen (S.392)

  • In den 6 Monaten mehr Vorfälle von Schulverweis, Festnahme / I (S.392–393)

  • Studie ggf. nicht voll repräsentativ (S.395)

Kumulative Risiken

K: psychische Erkrankungen und negatives Verhalten

Poehlmann, J. (2005a).
Children’s Family Environments and Intellectual Outcomes During Maternal Incarceration
USA

Längsschnittstudie (1999–2002). Quantitative und qualitative Forschungsmethoden. Befragt wurden 60 K (2,5–7,5 J.), deren i M und aktuelle Caregiver.

  • erhöhte Rate unterdurchschnittlicher kognitiver Funktionen und kognitiver Verzögerungen, Zusammenhang zu Risiko Caregiver festzustellen, nicht aber Risiko M / biologische Risiken / ethnische Zugehörigkeit (S.1282)

  • K von i M gehören multiplen Risikogruppen an (S.1281). Korreliert mit Risiken Caregiver (S.1281), Mediator: Qualität des aktuellen familiären Umfelds (S.1282)

  • 88% K waren 4 oder mehr Risikofaktoren für Entwicklung ausgesetzt (bspw. Armut, Frühgeburt, pränataler Drogenkonsum) und die meisten Caregiver waren sozioökonomischen Risiken ausgesetzt (S.1282)

  • Je mehr sozioökonomische Risiken, desto unwahrscheinlicher sicheres und stimulierendes häusliches Umfeld (S.1282)

K: kognitive Fähigkeiten

Kumulative Risiken

Poehlmann, J. (2005b).
Representations of Attachment Relationships in Children of Incarcerated Mothers
USA

Sowohl quantitative als auch qualitative Forschungsmethoden. Befragt wurden 60 K (2,5–7,5 J.), deren i M und aktuelle Caregiver. Voraussetzung: M zuvor nicht missbräuchlich, K hat eine Trennung von M durchlebt. Untersucht wurde die Bindung von K zu M.

  • Reaktion auf Trennung von M: 83% der K zeigen Trauer über Absenz M (Weinen, nach M rufen), ca ½ zeigten sich verwirrt und verstanden die Situation nicht, 40% zeigten sich wütend, 33% verhielten sich indifferent / dissoziativ. 32% Schlafprobleme, 22% Entwicklungs-Regressionen (Einnässen) (S.687)

  • 63% der K hatten eine unsichere Bindung zu M. Sichere Beziehungen waren wahrscheinlicher wenn K in stabilen Caregiving-Situationen lebten, über die Trennung traurig (statt sauer) waren und wenn K eher älter waren (S.690)

  • Bei knapp ⅔ K charakterisiert sich Bindung durch Ambivalenz, Disorganisation, Gewalt und Ablösung (S.690)

  • K, die seit Trennung von M nur eine(n) Caregiver hatten, hatte häufiger sichere Bindungen zu Caregiver (S.691)

→ Implikation: stabiles häusliches Umfeld für K schaffen, häufige Umzüge vermeiden

M-K-Bindung und Bindung zu Caregiver

K: Bindungsverhalten und Entwicklungsregressionen

Negative Auswirkungen von instabilem Umfeld

Shlafer, R. J., & Poehlmann, J. (2010).
Attachment and caregiving relationships in families affected by parental incarceration
USA

Längsschnittstudie, qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden. Befragt wurden 57 F und Betreuer:innen von K (4–15 J) mit i Et und Lehrpersonal über die Auswirkungen Beziehungen und Verhalten der K.
Laufzeit: 6 Monate

  • Beziehung zum inhaftierten Et: ⅓ der K wollten nicht darüber sprechen. Anderen K berichteten: zu 41% von positiven Gefühlen, 31% von negativen Gefühlen und 28% von durchwachsenen Gefühlen. Bezugspersonen berichteten, dass K sich über die Zeit von der Beziehung entkoppelten (S.7), im Vergleich zu Beziehungen zum aktuellen Caregiver kein signifikanter Unterschied in der Bewertung durch K festgestellt, Kommunikation zu Caregiver etwas positiver bewertet (S.8)

  • Kontakt: K und Caregiver unsicher, ob Kontakt gewollt, Besuche werden eher negativ bewertet (S.8). Die Kinder, die zu Beginn der Befragungen Kontakt zu i Et hatten, hielten diesen auch und berichteten von weniger Entfremdungsgefühlen und Ärger ggü I (S.9)

  • Verhalten: Lehrpersonen berichten häufig von Verhaltensauffälligkeiten und Bedenken bzgl. Beziehungen zu Mitschüler:innen, erhöhtem Bedarf an Aufmerksamkeit und Unterstützung. Einige berichten von divergenten Verhalten wegen der durch K wahrgenommenen Stigmatisierung (S.10). Zu Beginn bei den K im Vergleich zur Norm erhöhter Anteil an inter- und externalisierenden Verhaltensweisen, nach 6 Monaten gesteigert (nicht repräsentativ) (S.9&10). Verstärkt bei K, bei denen Caregiver zu Beginn die Beziehung zu K negativer bewerteten (S.10)

K: Kontakt und Beziehung zum i Et und Caregiver

K: Verhalten

Tadros, E. et al. (2022).
Mental Health, Perceived Consensus of Coparenting, and Physical Health Among Incarcerated Fathers and Their Nonincarcerated, Romantic Partners.
USA

Querschnittsstudie unter 483 heterosexuellen Paaren, die gemeinsam min. ein K großziehen, V i.
Untersucht wird das Level an Coparenting in Zusammenhang mit der mentalen und physischen Gesundheit der Proband:innen.

  • Partnerinnen und Coparents von i V haben ein höheres Risiko für stressbedingte Erkrankungen (S. 3)

  • Zusammenhang zwischen Depressionen und physischer Gesundheit (S.9)

  • Je höher der Konsens beim Coparenting, umso besser ist die physische Gesundheit der Partnerinnen → These: durch Coparenting weniger Stress (S.9)

  • Je länger die I umso schlechter die Gesundheit der P (S.9)

→ Implikationen: Um Gesundheit M zu fördern, sollte Mit-Erziehung seitens V ermöglicht werden.

P: Stress, Gesundheit

Trice, A. D., & Brewster, J. (2004).
The Effects of Maternal Incarceration on Adolescent Children
USA

Querschnittsstudie: Untersucht wurden 58 K von inhaftierten M im Jugendalter (13–19) mittels Befragungen von M und derzeitige(m) Caregiver zu Themen: Schule, Gemeinde, Verhalten im Haushalt im vorangegangenen Jahr
Vergleich: Freund:innen

  • hohe Rate an Schulabbrüchen (36% gegen 9% nationale Rate), ebenso im Zusammenhang mit Bildungserfolg M (S.29)

  • und der aktuellen Wohnsituation: die meisten Abbrüche bei K, die in Pflegefamilien leben (S.30), Regelwerk Zuhause wichtig (S.27)

  • und dem Kontakt zur M: je regelmäßiger, umso erfolgreicher in der Schule (S.31)

→ Implikationen: Verbleib in Familie fördern.

K: Bildungserfolg

Turney, K., & Goodsell, R. (2018).
Parental Incarceration and Children’s Wellbeing
USA

Review. Fasst den Forschungsstand zu den Auswirkungen von e I auf K zusammen.

  • Demographische Trends: Ethnie und Bildungsniveau ausschlaggebend für Inhaftierung (S.149)

  • Inhaftierung erhöht die Chance für Trennung / Scheidung (S.149)

  • Physische Gesundheit: K von inhaftierten Et haben ein höheres Risiko für bestimmte Erkrankungen (Asthma, Adipositas) (S.152) im Kindesalter und im Erwachsenenalter (Erhöhtes Cholesterin, HIV, Migräne) (S.152)

Risikofaktoren

Trennung E

K: (physische) Gesundheit

Turney, K. (2017). Parental Incarceration and the Transition to Adulthood
USA

Add Health, hier: untersucht Zusammenhang zwischen e I im Kindesalter (0-17 J.) und subjektiven und behavioralen Indikatoren für Erwachsenwerden.
Proband:innen 18 - 23 J

  • Signifikanter Zusammenhang zwischen eher erwachsen werden und I Et (S.1320)

  • Bei I Et (V/M) folgende Effekte mehr als in Vergleichsgruppe: fühlt sich älter, fühlt sich immer wie ein(e) Erwachsene:r, geht nicht mehr zur Schule, hat selbst ein Kind (S.1320,1322)

  • Bei i V zusätzlich: lebt alleine, ist verheiratet (S.1320)

K: werden schneller “erwachsen”

Van de Rakt, M. et al. (2012). The Long-Term Effects of Paternal Imprisonment on Criminal Trajectories of Children
Niederlande

Längsschnittstudie anhand von 3500 V, die 1977 inhaftiert wurden.
Untersucht wurde der Effekt von v I auf die Entwicklung kriminellen Verhaltens der K (18-30 J.)

  • K, deren V i wurde als diese zwischen 0 - 12 Jahre alt waren, haben ein höheres Risiko, selbst im Alter von 18 - 30 kriminell zu werden, allerdings ist dieser Effekt eher gering (S.96,98)

  • Niederlande haben im Vergleich zu anderen Ländern eine milde Rechtsprechung, dafür sind Gefangene eher gewalttätig, da sie sonst vermutlich eine andere Strafe erhielten (S.101)

→ Implikationen: braucht mehr Forschung auch in Deutschland, da Ergebnisse offensichtlich variieren je nach Strafverfolgung

K: kriminelles Verhalten im Erwachsenenalter

Auswirkungen Rechtssprechung

Wilbur, M. B. et al. (2007). Socioemotional Effects of Fathers' Incarceration on Low-Income, Urban, School-Aged Children
USA

Langzeitstudie mit 102 K aus einkommensschwachen F, die pränatalen Kokainkonsum ausgesetzt waren.
Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen I V, kindliche Depressionen & Verhaltensauffälligkeiten

  • K von inhaftierten V leiden häufiger an depressiven Symptomen (S.6)

  • Vermehrt externalisierendes Verhalten (S.6)

→ Implikation: Kinderärzt:innen sollten häufiger nach e Haft fragen (S.7)

K: Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten

Wildeman, C. et al. (2012). Despair by Association? The Mental Health of Mothers with Children by Recently Incarcerated Fathers
USA

FFCWS, hier: Forschung zum Zusammenhang zwischen I des V auf die mentale Gesundheit der M.

  • Risiko der M an Depressionen zu Erkranken ist kurz nach der I stark erhöht (54% höher als bei einer M, wenn V nicht kürzlich inhaftiert wurde) (S. 226)

  • Wenn die I längere Zeit zurückliegt, sinkt das Risiko wieder (S. 226)

→Implikationen: In der Zeit kurz nach der I sind M besonders vulnerable für Depressionen und benötigen ggf. psychologische Unterstützung

P: Depressionen

Wildeman, C. et al. (2017). Paternal Incarceration and Teachers' Expectations of Students
USA

Querschnittstudie unter ins. 421 Lehrer:innen (3.-5. Klasse). Untersucht wurde, ob Lehrer:innen andere Erwartungen an K von i V hätten.

  • Das Stigma, dass an v I geknüpft ist, ist wesentlich messbar unter den Lehrer:innen (S.8)

  • Lehrer:innen erwarten von diesen K mehr Verhaltensauffälligkeiten und weniger -kompetenzen, besonders internalisierte Verhaltensweisen (S.8), aber auch Aufmerksamkeitsdefizite (S.9). Jungen sind stärker von der Stigmatisierung betroffen als Mädchen (S.9)

  • Stigma hilft Realität zu formen und es wird vermutet, dass dieses als Mediator zwischen v I und geringeren Bildungserfolg K fungiert (S. 10)

→Implikationen: Braucht Interventionen an Schulen, sonst sollten Lehrer:innen ggf. nicht über I informiert werden. (S.10)

K: Stigmatisierung

Wildeman, C. (2010). Paternal Incarceration and Children’s Physically Aggressive Behaviors: Evidence from the Fragile Families and Child Wellbeing Study

Längsschnittstudie: FFCWS Hier: untersucht den Effekt von v I auf körperlich aggressives Verhalten von K mit 5 J.

  • I des V wirkt sich signifikant auf körperlich-aggressives Verhalten von Jungen mit 5 Jahren aus. Sowohl bei kürzlichen I (mehr) als auch bei I, die länger zurückliegen, ist der Effekt valide (S.296).

  • Weitere Kovariaten, die aggressives Verhalten beeinflussen = Gewalterf V und Wohnen in Nachbarschaft mit geringer kollektiver Wirksamkeit (S.296 & 304), kein signifikanter Effekt bei Mädchen (S.296)

→ Entfernung von missbräuchlichen V scheint Aggressionspotenzial von Jungen zu mindern (S.304)

K: körperlich-aggressives Verhalten bei Jungen (5 J.)

Young, B. et al. (2020).
Incarceration and the Life Course:
Age-Graded Effects of the First Parental Incarceration Experience

Längsschnittstudie Add Health. Hier: Untersuchung, ob für K im Erwachsenenalter eine vom Alter bei e Inhaftierung abhängige Wirkung existiert.
Anhand: Delikte, Marihuana-Konsum, Depressionen, Bildungserfolg, Einkommen

  • kein statistisch signifikanter Unterschied bei den Auswirkungen von e I abhängig vom Alter K bei I. Einzig bei K, die vor ihrem 6 Lebensjahr v Haft erlebten, sind mehr Delikte im Erwachsenenalter zu beobachten als bei K, die die I erst später erlebten.
    (S:269,270)

K: Verhaltensauswirkungen nach Alter bei I

 

 

[1] Die verwendeten Suchstrings lauteten u. a.: Englisch – AB (incarcerat* OR imprisonment OR „parental incarceration“ OR inhaftier* OR Haft) AND AB (famil* OR child* OR Kinder* OR partner* OR spouse*) AND AB (well-being OR psychosocial* OR stigmatis* OR "educational attainment" OR Bildung*); Deutsch – FREI = („elterliche Inhaftierung“ OR Inhaftier* OR Haft) AND FREI = (Kind* OR Jugend* OR Schüler* OR Familie* OR Angehörige*) AND FREI = (Bildung* OR Schul* OR „Bildungserfolg“ OR Schulleistung* OR „Bildungsbenachteiligung“).

[2] Meist handelt es sich hierbei um Unterschiede im Geschlecht der Mitglieder der untersuchten Kohorte. Dies lässt sich an den gegebenen Stellen durch ein Fehlen von genderneutraler Sprache festmachen.